So richtig hat sich darüber wohl noch niemand Gedanken gemacht: Von 2010 an gelten in Europa die verschärften Grenzwerte der EU-Richtlinie 199/30/EG. Hierzulande über den Umweg der Luftreinhalteverordnung in geltendes Recht umgesetzt, ist sie die eigentliche Grundlage für die ab 2008 in vielen Städten geschaffenen Umweltzonen. Das Inkrafttreten dieser nun anstehenden zweiten Stufe der Verordnung dürfte daher mit ziemlicher Sicherheit in absehbarer Zeit dazu führen, dass nunmehr auch Fahrzeuge mit roter Plakette aus den Städten ausgesperrt werden. Den Anfang macht ab Mitte des Jahres die Stadt Stuttgart, andere werden folgen.
Ärgern werden sich darüber nicht allein die nach Angaben der IHK Schwaben in Stuttgart rund 8.000 und in der Region Stuttgart rund 48.000 betroffenen Autofahrer, Handwerksbetriebe und Fuhrunternehmen: Denn mit der Umsetzung des aus der Verordnung abgeleiteten Luftreinhalteplans umgehen die Städte zwar elegant das Risiko, von Ihren Bewohnern für die schlechte Luft verklagt zu werden, können ansonsten aber in Untätigkeit verharren. Anders als mit der Aussperrung eines verschwindend geringen Teils der täglich in den Stadtgrenzen verkehrenden Fahrzeuge, so argumentieren die Verantwortlichen nämlich gerne, könnten sie die Staub- und, wie zum Beispiel in Köln explizit für die Einrichtung der Umweltzone als Begründung mit herangezogen, die Stickoxid-Konzentration ja kaum verringern. HeidelbergCement, einer der größten deutschen Betonproduzenten, hat für diese Diskussion nun ein völlig neues Argument in petto: TioCem.
Es ist eine neue Zementsorte, die speziell für die Verwendung als Straßenbelag oder als Betonpflasterstein im Zusammenwirken mit Sonnenlicht für eine Aufspaltung eben jener Stickoxide sorgt, auf deren zu hohe Konzentration in vielen Fällen mit der Umweltzone reagiert wurde. Stickoxide erhöhen nämlich das Risiko von Atemwegsinfektionen und können die Atemwege schädigen. Dem italienischen Hersteller Italcementi S.p.A. gelang nun vor einiger Zeit die Produktion einer Zementsorte, die nano-kristallines Titandioxid (TiO2) enthält. Dieses Titandioxid verhält sich unter Sonneneinstrahlung wie ein Katalysator und bringt die Aufspaltung der NOx-Moleküle in unschädliches NO3 in Gang. Beim nächsten Regenguss wird es als Nitrat, welches sich wie gewöhnlicher Pflanzendünger verhält, weggespült. Die entstehenden Mengen sind dabei derart gering, dass sich die Nitratfracht im Oberflächenwasser durch die photokatalytische Stickstoffreduktion der Luft nur geringfügig erhöht. Die Grenzwerte für den Gehalt an Gesamtstickstoff gemäß Abwasserverordnung, so der Hersteller, werden um ein vielfaches unterschritten.
So gering die zusätzliche Belastung des Oberflächen-Wassers, so durchschlagend ist die Wirkung: Bereits eine durchschnittliche Dachfläche von 200 m2 kann pro Jahr den NOX- Ausstoß von ca. 2.300 Fahrzeug-Kilometern eliminieren. Die Fläche eines Fußballfeldes von rund 7.500 m2 eliminiert in einem Jahr denNOx-Ausstoß von ca. 87.000 Fahrzeug-Kilometern! Und der Effekt der Nanopartikel im Beton verliert sich nicht. Die Titandioxid-Kristalle beflügeln zwar die chemische Reaktion, verbrauchen sich dabei aber nicht. Die Betonoberfläche behält ihre Wirkung, solange sie dem Licht ausgesetzt ist. Die neue Betonsorte ermöglicht offenbar - es klingt fast zu schön, um wahr zu sein - jenseits simpler Fahrverbote völlig neue Wege im Umgang mit schädlichen Kfz-Emissionen. Kein Wunder also, dass eine Stadt wie Wolfsburg, deren gedeihliche Entwicklung wie bei kaum einer anderen deutschen Stadt mit dem Automobil verwoben ist, den Anfang macht und die große Flächen des 25 Hektar großen Themenparks am Stammsitz des VW-Konzerns mit einer Pflasterung aus TioCem Beton-Steinen ausstattet.
Auch im bayrischen Markt Feucht hat sich, wie der deutsche Lizenz-Nehmer HeidelbergCement meldet, die Gemeindevertretung für den umweltaktiven Belag ausgesprochen und dabei in Kauf genommen, dass die innovativen Pflastersteine das Stadtsäckel etwas mehr belasten. Wir wollten mit unserer Ortskernsanierung nicht bei einer reinen Verschönerung stehen bleiben, so der Erste Bürgermeister Konrad Rupprecht, sondern auch eine nachhaltige Verbesserung erzielen. Als eine der ersten Gemeinden in Deutschland hat sich Markt Feucht für das neue Pflaster entschieden. Indessen ist der Einsatz des neuen Baustoffs nicht allein auf die Pflasterung von Fahrbahnen oder Gehwegen in den Städten beschränkt. TioCem kann auch in Verbindung mit der Whitetopping-Bauweise eingesetzt werden, mit deren Hilfe schadhafte Asphaltfahrbahnen repariert werden. Anstelle einer kompletten Erneuerung der Fahrbahn wird dabei nur die obere Asphaltschicht der Fahrbahn abgefräst und durch eine dünne Betonschicht ersetzt.
Unter Verwendung von TioCem entsteht so ein dauerhaft stabiler Fahrbahnbelag mit einer photokatalytisch aktiven Oberfläche, die Schadstoffe abbaut. Das alleinige Produktions- und Vertriebsrecht für den innovativen Baustoff sicherte sich in Deutschland als exklusiver Lizenz-Nehmer HeidelbergCement. Er kann in den Werken Leimen und Ennigerloh ab einer Mindestbestellmenge von 5t bezogen werden. Für die Produkte aus der neuen Betonsorte hat HeidelbergCement eigens das Qualitätssiegel TXActive® geschaffen und überprüft die Einhaltung der photokatalytischen Aktivität der Endprodukte und die durch TXActive® verbürgten Standards durch regelmäßige
Probeentnahme beim Kunden.
Autor: Peter Leuten
Fotos: HeidelbergCement



