Sägeblattwechsel in halber Zeit

Baumstämme von 65 cm Durchmesser verschwinden mit hoher Geschwindigkeit im Schlund einer gewaltigen Maschine. Binnen weniger Sekunden kommen sie als Brettschichtholz am hinteren Ende der Anlage wieder heraus: Mit einer Verarbeitungskapazität von über 300 Festmetern pro Schicht zählt die Josef Wyss AG im schweizerischen Büron zu den größten Sägewerken im Kanton Luzern. Aus den bis zu 6,40 m langen Lamellenbrettern werden später einmal Leimbinder gefertigt. „Kürzlich haben wir in ein computergesteuertes Kreissägegatter investiert", berichtet Rolf Steiger, der bei Wyss für Werkzeuge und Maschinen verantwortlich ist. „Das versorgt das gesamte Werk mit Holz und arbeitet mit Vorschubgeschwindigkeiten von bis zu 50 Metern in der Minute - jedenfalls wenn die Sägeblätter scharf und korrekt aufgespannt sind.“ Die scharfen Sägeblätter liefert ein externer Dienstleister, für den ordentlichen Blattwechsel sorgen Steiger, seine Kollegen und ein Tensor-DS-Elektroschrauber von Atlas Copco Tools.

Tensor-DS-Elektroschrauber


Damit das große Sägeaggregat reibungslos laufen kann, spannt der Tensorschrauber die Sägeblätter, deren Durchmesser 650 mm beträgt, mit acht Torx-T50-Schrauben auf einen Flansch. 40 Newtonmeter (Nm) lautet die Drehmomentvorgabe des Sägegatter-Herstellers hierfür. Vier weitere hochvergütete Sechskantschrauben fixieren den Flansch auf der Sägewelle. Auch hier werden exakt 40 Nm gefordert; die maximal zulässige Drehmomenttoleranz liegt in beiden Fällen bei 10%.

Sägeblatt muss täglich gewechselt werden

Die verhältnismäßig strengen Vorgaben erklären sich aus der hohen Maschinenleistung. Jede der vier Sägewellen der Kreissäge überträgt eine Antriebsleistung von 160 Kilowatt (kW) auf die Sägeblätter und rotiert mit bis zu 2500 Umdrehungen pro Minute. „Da könnte ein fehlerhaft gespanntes Sägeblatt fatale Folgen für unsere Produktion haben“, mahnt Rolf Steiger, der die Genauigkeit seines elektronisch gesteuerten Tensor-DS-Schraubers lobt. „Die vorgegebenen Toleranzen konnten wir mit unseren bisher eingesetzten Druckluftwerkzeugen nur einhalten, wenn wir jede einzelne Verschraubung mit einem Drehmomentschlüssel nachzogen.“ Das aber habe bei den täglich nötigen Blattwechseln viel Zeit erfordert und sei aufgrund der engen Einbausituation in der Kreissäge immer eine Quälerei gewesen. „Vor dem Hintergrund der hohen Anschaffungskosten für das neue Herzstück unserer Produktion wollten wir die Rüstzeiten so kurz wie möglich halten und lange Maschinenlaufzeiten erreichen.“

Gesteuerter Elektroschrauber zum Preis eines Druckluftwerkzeugs

So wurde man in Büron hellhörig, als der Essener Schraubtechnikanbieter Atlas Copco Tools letztes Jahr das Einstiegsmodell eines gesteuerten Elektroschraubers zum Preis eines Druckluftschraubers anbot: einen Tensor-DS-Schrauber samt einer einfachen Steuerung namens DS-Box. „Damit bekamen wir das ideale System für unseren Anwendungsfall“, sagt Steiger, „weil die digitale Schraubtechnik den Bediener, das Werkstück und die Schraubverbindung zuverlässig kontrolliert.“ Bei dieser Tensor-DS-Box-Kombination könne ein Parametersatz frei programmiert werden, man könne Schrauben mehrstufig anziehen und hierdurch Setzerscheinungen in den Schraubverbindungen kompensieren. „Damit steigt die Prozesssicherheit in unserer Montage im Vergleich zu den einstufig anziehenden Druckluftschraubern wesentlich", freut sich der Werkzeugexperte. Ferner warnt der Tensor den Bediener umgehend bei etwaigen Abweichungen - und Steiger kommt mit dem kompakten, nur 1,6 kg leichten Winkelschrauber praktisch überall hin. Das Werkzeug ist mit 480 min-1 enorm schnell, und mit der Wiederholgenauigkeit von wenigstens ± 7,5% ist der Anwender jederzeit auf der sicheren Seite. Da DS-Box-Varianten für Drehmomente von 2 bis 4000 Nm zur Verfügung stehen, ist das Einsatzfeld laut Anbieter Atlas Copco quasi unbegrenzt.

Zeit- und kräfteraubendes Nachknicken gehört der Vergangenheit an

Rolf Steiger freut vor allem, dass Wyss jetzt auf das zeit- und kräfteraubende Nachknicken der Befestigungsschrauben komplett verzichten kann. Die eingesparte Zeit, wenigstens eine halbe Stunde pro Schicht, macht sich in einem spürbar höheren Ausnutzungsgrad der Kreissäge bemerkbar. Dadurch habe sich das Tensor-System schon nach kurzer Zeit amortisiert, und der Drehmomentprüfschlüssel konnte eingemottet werden. Zu Produktionsunterbrechungen durch fehlerhaft montierte Sägeblätter sei es seit Inbetriebnahme des Tensor-DS-Box-Systems nicht gekommen.


Ähnliche Artikel