Wer sich mit dem Thema Kühltransporter beschäftigt, der denkt unweigerlich an Minusgrade und frostige Temperaturen. Dabei kann es auch sein, dass solche Fahrzeuge im Winter sogar wärmen bzw. vor extremer Kälte schützen müssen. Dann nämlich, wenn die Außentemperaturen unterhalb der gewünschten Kältegrade liegen und die Ladung zusätzlich isoliert und beheizt werden muss. Weil mit den Temperaturen auch das Interesse an Kühltransportern steigt, hat bei der hessischen Firma Winter Fahrzeugtechnik GmbH der Sommer längst begonnen. Bis zu 800 Transporter baut das Unternehmen aus der Nähe von Fulda jährlich zu rollenden Kühlschränken um und gehört damit zu den Großen der Branche. Eine besondere Spezialität von Winter Fahrzeugtechnik sind Transporterausbauten für den Kühl- und Frischedienst, die auf die individuellen Bedürfnisse der Anwender zugeschnitten sind.
Formbausätze aus der eigenen Entwicklungsabteilung
Beim Besuch der DAZ TRANSPORTER in Eichenzell wird schnell klar, wie aufwändig die Vorbereitungen für einen fachgerechten Kühlausbau sind. Mit dem Opel Movano und dem Fiat Dobl steht die Winter Fahrzeugtechnik GmbH längst in den Startlöchern, um zwei weitere Kühltransporter-Neuheiten zu präsentieren. Zunächst allerdings müssen von der eigenen Entwicklungsabteilung Formbausätze hergestellt werden. In einem sehr aufwändigen Anpassungsverfahren werden für den Laderaum einzelne Holzformen angefertigt, die konturgenau auf die Besonderheiten der jeweiligen Bodengruppe, der Stirnwand und der Türen eingehen. Bereits in dieser Phase der Produktion müssen die späteren Isolierungsstärken berücksichtigt werden. Hierbei ist es sehr wichtig, z. B. an eventuelle Revisionsklappen für die Zugänglichkeit von Kabeln, Schlössern und Notentriegelungen zu denken.
Selbst Werkzeuge müssen vorbehandelt werden
Im Anschluss an diese Arbeiten wird ein Probeabzug aus Glasfaserkunststoff (GFK) erstellt und die Passgenauigkeit überprüft. Dies ist die Voraussetzung, um das spätere Werkzeug, also die Negativform, überhaupt anfertigen zu können. Für die Herstellung der einzelnen Formbauteile, die mit zusätzlicher Spezial-Hartschaumisolierung in Überlappungsbauweise in den Transportern verbaut werden, müssen die Werkzeuge mit einem Trennwachs vorbehandelt und in der Lackierkabine mit einem Decklack (Gelcoat) versehen werden. Nach einer kurzen Anhärtephase wird das Werkzeug in die Spritzkabine gebracht und die Form mittels
einer Hochleistungs-Faserspritzanlage gleichzeitig mit drei Komponenten (Polyesterharz, Härter und Glasfaser) belegt. Je nachdem, wie stark das Laminat sein soll bzw. sein muss, kann jetzt die Stärke und damit auch das Gewicht bestimmt werden. Anschließend wird das Laminat entlüftet.
Hoher Spezialisierungsgrad steht für Qualität
Bereits diese einzelnen Schritte lassen erkennen, wie hoch unser Spezialisierungsgrad und damit auch die Passgenauigkeit unserer Ausbausys-teme ist, erklärt Winter-Prokurist Christian Wenig beim Rundgang über das Firmengelände. Und auch der nächste Schritt beschreibt, wie ernst das Unternehmen die Produktqualität nimmt. Denn während der Belüftung wird permanent im Boden-, Seiten- und De-ckenbereich Styrol abgesaugt und 32 Mal pro Stunde die Luft gewechselt. Hintergrund: Zwar ist Styrol für die Verarbeitungsfähigkeit unbedingt erforderlich, jedoch darf es beim späteren Einsatz in einem Kühlfahrzeug zum Transport von unverpackten Lebensmitteln keineswegs mehr aus den Verkleidungselementen austreten. Deshalb werden die Formteile in einem sogenannten Temper-Raum unter hoher Wärmezufuhr behandelt und somit das Styrol entzogen.
Kühlausbau ist absolut wasserdicht
Erst jetzt können die Teile entformt, auf Maß besäumt und für den Einbau bzw. die Montage vorbereitet werden. Vor dem Einbau der GFK-Formteile werden die Transporter zunächst mit karosserieseitigen Verstärkungen bzw. Unterbauten versehen. Danach werden die Teile passgenau eingeschweißt und mit einem speziellen feuchtigkeitsresistenten Hartschaum isoliert. Später wird der gesamte Ausbau komplett mit einem Dichtmittel versiegelt, so dass selbst der Einsatz eines Hochdruckreinigers kein Problem darstellt. Zum Schluss erfolgt die Montage und Inbetriebnahme der Kühlaggregate, die die Winter Fahrzeugtechnik GmbH von namhaften Herstellern bezieht. Unsere Kernkompetenz liegt also eindeutig in der Entwicklung und im Ausbau von Frischedienst- und Kühltransportern, beschreibt Christian Wenig. Längst gehören namhafte Frischedienstketten ebenso zu den Kunden wie Metzgereien und Anbieter von Tiefkühlprodukten.
Enge Kooperationen mit allen Fahrzeugherstellern
Was die Zusammenarbeit mit den unterschiedlichen Fahrzeugherstellern angeht, so setzt die Winter Fahrzeugtechnik GmbH auf Vielfalt. Enge Kooperationen mit der Daimler AG, der Nutzfahrzeugsparte der Volkswagen AG, Renault und Nissan sind dabei ebenso selbstverständlich wie z. B. eine langjährige und vertrauensvolle Partnerschaft mit der Fiat Group Automobiles Germany AG. Dass die Firma aber ausgerechnet für den italienischen Importeur sämtliche Kühlfahrzeuge exklusiv ausbaut, kommt nicht von ungefähr. Denn, egal ob Dobl, Scudo oder Ducato - für jeden dieser Transporter gibt es speziell entwickelte Formbausätze. Und so registriert das Unternehmen eine große Nachfrage seitens der Händlerschaft. Vor sechs Jahren etablierte die Winter Fahrzeugtechnik GmbH den Fiat Dobl Cargo als ebenso kompaktes wie wendiges Kühlfahrzeug und erhielt damit gemeinsam mit der Fiat AG den Zuschlag für ein Flottengeschäft mit der Deutschen See, dem größten Anbieter von Fisch und Meeresfrüchten in Deutschland.
Trend geht zu integrierten Kühlanlagen
Die mehr als 40-jährige Erfahrung im Bau von Kühlfahrzeugen zeigt sich aber auch in der Serviceorientierung. Wir sind da, wo unsere Kunden uns brauchen, verdeutlicht Christian Wenig das Konzept eines motivierten bundesweiten Außendienstes mit vielen Vorführfahrzeugen. Und da spielt es keine Rolle, ob sich der Kunde für einen Kastenwagen oder einen Kofferausbau interessiert. Einen Trend innerhalb der Kühlbranche indes glaubt Wenig erkannt zu haben. Er geht hin zu integrierten Kühlanlagen, die keinen Dachaufbau erfordern. Vorteil in der Praxis ist, dass die Fahrzeughöhe und -optik sowie die Aerodynamik des Fahrzeuges unverändert bleiben. Bohrungen im Dach zur Befestigung des Kondensators und zur Verlegung von Kältemittelleitungen werden damit hinfällig. Und auch ganze Dachdurchbrüche, die etwa beim Einlassen von Anlagen erforderlich sind, entfallen. Gleichzeitig ist damit das Eindringen von Außenfeuchtigkeit ausgeschlossen.
Einsatz von GFK hat sich bewährt
Doch ebenso wie Wurst nicht gleich Wurst ist, ist auch Kühlfahrzeug noch lange nicht Kühlfahrzeug. Vom klassischen Einkammer- bis zum universellen Mehrkammerkühlfahrzeug für den temperaturgeführten Transport orientiert sich die Winter Fahrzeugtechnik GmbH stets an den Wünschen der Kunden, die ebenso unterschiedlich wie die späteren Anwendungsbereiche der Fahrzeuge sind. Einzig zur Verwendung von glasfaserverstärkten Kunststoffen (GFK) scheint es keine Alternativen zu geben. Dieses Material ist schlagfest, verwindungsstabil, korrosionsfrei, hoch belastbar und thermisch unempfindlich, argumentiert Prokurist Wenig. Die Herstellung von GFK-Bauteilen ermögliche zudem glatte und porenfreie Oberflächen, die leicht, einfach und rückstandslos zu reinigen seien und eine einwandfreie Hygiene gewährleisten würden. Und auch die einteilig gefertigte, bis über die Radkästen reichende Bodenwanne sei zu 100 Prozent wasserdicht.
Starkes Interesse an gebrauchten Kühlfahrzeugen
Wie wichtig diese Faktoren für das spätere Handling eines Kühltransporters im Alltag sind, zeigt nicht zuletzt deren extreme Nutzungsdauer. Christian Wenig: Acht bis zwölf Jahre sind kein außergewöhnlicher Wert. Selbst danach sind solche Fahrzeuge noch sehr gefragt, weil der Kühlausbau so gut wie keine Abnutzungserscheinungen zeigt. Handwerksbetriebe wie Metzgereien sind an diesen Transportern ebenso interessiert wie auch Händler, die händeringend nach gebrauchten Kühlfahrzeugen für den Export suchen. Dies erklärt auch, weshalb ein Tiefkühltransporter so gut wie nie zurückgerüstet wird. Generell ist der Markt für Lebensmitteltransporte nach Ansicht von Wenig übrigens ein Wachstumsmarkt. Hintergrund sind nicht nur verschärfte inländische Hygienevorschriften, sondern auch die zunehmende Vorliebe vieler Verbraucher für frische Lebensmittel und Tiefkühlprodukte.
Weitere Informationen:
Winter Fahrzeugtechnik GmbH
Industriepark Rhön
Am Kreuzacker 4
D-36124 Eichenzell
Tel.: +49 (0)6659/964646
Fax: +49 (0)6659/964636
www.winter-kuehlfahrzeuge.de
e-mail: vertriebwinter-kuehlfahrzeuge.de
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Autor: Norbert Böwing
Fotos: Norbert Böwing



