Seit etwa fünf Jahren wurde die schon lange schlummernde Idee eines eigenen Pick-up von Volkswagen konkret vorangetrieben. Der Amarok wurde nicht explizit für den deutschen Markt entwickelt, dafür ist der Pick-up-Markt hierzulande einfach zu klein. Hauptmarkt für den Amarok ist in erster Linie der südamerikanische und erst in zweiter Linie der europäische. Deutschland spielt dabei sogar eher noch eine untergeordnete Rolle. Portugal und Griechenland sind die angestrebten europäischen Märkte.
Trotzdem ist Volkswagen davon überzeugt, dass der moderne Amarok auch den deutschen Pick-up-Markt innerhalb kürzester Zeit aufmischen und neu ordnen kann. Das hehre Ziel heißt „Marktführerschaft im Pick-up-Segment für Deutschland.


Blauäugig oder um die Qualitäten wissend

Nach der Markteinführung im Frühjahr diesen Jahres in Südamerika liegen Volkswagen schon 21.000 Bestellungen vor, das ist gigantisch. Der Amarok ist ein Pick-up mittlerer Baugröße, basierend auf einem stabilen Leiterrahmen, ausgestattet mit großen Federwegen und hinten mit einer Starrachse auf Blattfedern. Es werden drei Antriebsvarianten angeboten: Heckantrieb, permanenter und zuschaltbarer Allradantrieb mit Untersetzung. Alle Sperren können während der langsamen Fahrt mittels Schalter neben dem Schaltknauf elektronisch aktiviert und deaktiviert werden. Moderne Elektronik mit Radsensoren steuert die Kraftverteilung der einzelnen Räder. Das ABS kann für den Offroadeinsatz umgeschaltet werden und arbeitet dann mit längeren Intervallen. Weiter bietet der Amarok einen Bergan- und Abfahrtassistenten.
Den Antrieb übernimmt ein hochmoderner, sparsamer und umweltschonender Bi-Turbo-Dieselmotor, der auch im T5 verbaut wird. Vorerst wird nur eine Motorisierung für den Amarok angeboten: 120 Kilowatt mit 400 Newtonmetern. Zum Jahreswechsel soll noch ein 90-Kilowatt-Motor hinzukommen. Im Gegensatz zu anderen Herstellern verbaut Volkswagen einen „nur 2,0 Liter großen Vierzylinder-Motor - schwachbrüstig und nicht passend für einen Pick-up werden viele sagen. Doch dieser Bi-Turbo-Motor hat sich schon im T5 behauptet, verfügt in allen Lebenslagen über Kraft und Drehmoment und ist sparsam und umweltfreundlich - und genauso muss die Zukunft im Pick-up-Segment auch aussehen.
Zugegeben, der neue 2,0-Liter-Bi-Turbo-Dieselmotor fühlt sich subjektiv nicht extrem kräftig an, objektiv betrachtet und im Vergleich zu großvolumigeren Motoren, hat er aber einfach nur kein Turboloch. Der Vierzylinder kann in Bezug auf seine Messwerte und im direkten Vergleich mit großvolumigeren Motoren Schritt halten. Emotional kann der Bi-Turbo-Motor nur den ansprechen, der sich auf kontinuierliche, laufruhige und leise Kraftentfaltung einlassen kann - doch so sieht die automobile Zukunft wohl aus.


Vielfältige Einsatzmöglichkeiten

Der Amarok ist so konzipiert, dass die Einsatzbreite von gewerblicher über duale Nutzung bis hin zum reinen Freizeit- und Funmobil reicht. Es werden zwei Fahrwerke mit 2,8 und 3,4 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht angeboten. Zudem wird der Amarok mit Single Cab (ab Anfang 2011 in Europa) und Double Cab, in Basic-, Trendline- und Highline-Ausstattung angeboten. Durch die Ausstattungsvarianten steht der Komfort in der Kabine dem im Pkw in nichts nach. Auch das Sicherheitspaket des Amarok - serienmäßig ESP, Fahrer- und Beifahrerairbags sowie optionale Seitenairbags - sind auf Pkw-Niveau.
Die Nutzlast liegt, je nach Ausstattung, zwischen 900 und 1.150 Kilogramm, die Ladefläche nimmt eine quergestellte Europalette auf und vielleicht wird später auch eine Fahrgestellvariante angeboten. Damit ist der Amarok für die verschiedensten Einsatzbereiche, jetzt und auch in der Zukunft, gut gewappnet.
Ziehen kann er auch - der Amarok verfügt über eine Anhängelast von bis zu 2,8 Tonnen!


Fahrtest On- und Offroad


Auf der Landstraße macht der Amarok eine sehr gute Figur, leise, konstant kraftvoll und für einen Pick-up mit langen Federwegen erstaunlich spurtreu. Die gehobene Ausstattung der Kabine mit einstellbarem Lenkrad, Navigationssystem, Ledersitzen und Klimaanlage ließ wirklich das häufig geforderte Pkw-Fahrniveau aufkommen. Das Sechsgang-Schaltgetriebe flutscht nicht ganz so leicht wie im Pkw - hier ist die Verwandtschaft zum Transporter doch näher. Servolenkung, aber auch eine gute Verzögerung vermitteln ein sicheres, wohliges Fahrgefühl. Einzig bei schnellen, kurzen Kurvenfolgen neigt sich der Amarok. Wenn man es allerdings übertreibt, kann er sich extrem aufschaukeln. Das übliche Gepolter der Hinterachse im unbeladenen Zustand gab es beim Test-Amarok nicht, das „Komfortfahrwerk des 2,8-Tonners (zul. Gesamtgewicht) bügelt vieles glatt.
Beim Einparken wird klar, dass dieser nur mittlere Pick-up doch recht groß ist - durch die Rundumverglasung allerdings ist er übersichtlich und damit leicht zu beherrschen. Der 2,0-Liter-Bi-Turbo-Motor liefert in jedem Drehzahlbereich Kraft, wirkt subjektiv durch das fehlende Turboloch „weichgespült, kann aber messtechnisch mit jedem Motor der Konkurrenz mithalten. Die 400 Newtonmeter können sich sehen lassen!
Genau diese 400 Newtonmeter schieben den Amarok dann auch so unspektakulär durch das Offroad-Gelände, dass dieses jeglichen Schrecken verliert. Mit zugeschaltetem Allradantrieb und Untersetzung kann der Amarok mit sehr geringer Geschwindigkeit im Standgas die Hänge auf- und abwärts bewältigen. Neben der Verschränkungsmöglichkeit des Fahrwerks greifen auch die elektronischen Hilfen unterstützend im Gelände ein. Beispielsweise erlaubt es der Berganfahrassistent, die Auffahrt ohne schleifende Kupplung und die Abfahrt ohne zusätzlichen Bremseneinsatz zu meistern. Beeindruckend wirkt auch das ABS, das, wenn es auf Geländebetrieb geschaltet wird, längere Verzögerungsintervalle vollzieht. Durch die längeren Intervalle kann sich vor den Vorderrädern ein kleiner Wall aus Sand oder Schotter bilden und so den Bremsweg erheblich verkürzen.
Fazit: Beeindruckend - Volkswagen hat das Lastenheft meines Erachtens perfekt umgesetzt!


FAKTEN

VW Amarok Doppelkabine Bi-TDI

Motor:
Längs montierter TDI-Vierzylinder, Common-Rail-Direkteinspritzung, 4 Ventile pro Zylinder, zwei Abgasturbolader, Ladeluftkühlung, abgasarm nach Euro 5, 1.968 cm3, 120 kW/163 PS bei 4.000/min, 400 Nm - 1.500 - 2.000/min, Drei Varianten: Heckantrieb, Permanent-Allrad, Heckantrieb mit zuschaltbarer Vorderachse, Einscheiben-Trockenkupplung, synchronisiertes Sechsganggetriebe, Geländereduzierung (bei letzter Variante), LKW-Zulassung, EU 5

Fahrwerk:
Einzelradaufhängung mit Doppelquerlenkern, Schraubenfedern, Teleskopstoßdämpfer, Stabilisator vorn, Starrachse mit Blattfedern, Teleskopstoßdämpfer, Stabilisator hinten, hydraulische Zweikreisbremse, Bremsassistent, elektronische Bremskraftverteilung EBD, innenbelüftete Scheibenbremsen vorn, hinten Trommelbremsen, ESP mit AnhängerGespannstabilisierung, ABS und ASR, MSR-Motorschleppregelung, Bergan- und abfahrassistent

Maße und Gewichte:
5.254 x 1.944 x 1.834 mm Außen, 3.095 mm Radstand, 12.950 mm Wendekreis, 1.555 x 1.620 x 508 mm Ladefläche, 28/23,6 Grad Böschungswinkel (v/h), Nutzlast zwischen 900 und 1.150 kg, 2.800 kg Anhängelast (max.)


Alle Angaben abhängig von der Modellvariante

Bildergalerie


Autor: Andreas Aepler
Fotos: Andreas Aepler

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