Im März 1950 rollten die ersten Transporter (Typ 2 T1) bei Volkswagen vom Band. Sechs Kastenwagen und zwei Kombis der Prototypenserie dienten zur Kundenbefragung und für Pressepräsentationen. Im Frühjahr 1950 war es soweit, der Transporter T1 wurde auf einer eigenen, verstärkten Bodengruppe produziert. Viele Komponenten wie Motoren, Instrumente und die Innenraumgestaltung stammen aus dem damaligen Pkw-Segment.
Erster Pritschenwagen
1952 folgte der erste Pritschenwagen mit Einzelkabine und drei Sitzplätzen. Das erste verlängerte Fahrerhaus mit dafür kürzerer Ladefläche entwickelte die Firma Binz 1953 - damit war der erste Pritschenwagen mit Doppelkabine geboren. Volkswagen selbst brachte erst 1958 eine ab Werk seriengefertigte Doka auf den Markt. Bis heute ist diese Pick-up-Bauform eine der beliebtesten und variabelsten der Welt.
Doka-Fahrerhaus T1-Baureihe
Die Doppelkabinen-Pritsche bot schon damals bis zu sechs Handwerkern, aber auch Kleingeräten und Material Platz im Fahrerhaus. Die Doka beim T1 sieht im Vergleich zum heutigen Transporter (T5) doch sehr anders aus. Die weit öffnende Tür gibt die Einstiegsstufe des historischen Transporters frei. Über sie erreicht man den über dem Vorderrad befindlichen, einstellbaren Einzelsitz für den Fahrer. Für die weiteren Mitfahrer hält der T1 vorn eine Doppelsitzbank und hinten eine Dreierbank mit erstaunlich guter Polsterung bereit. Das Bezugsmaterial ist schmutzabweisend, aber auch schweißbildend, da aus Vollkunststoff. Nach Sicherheitsgurten sucht man vergebens, die wurden erst später ins Pflichtprogramm aufgenommen. Überhaupt, in puncto Sicherheit hat der T1 noch nicht so viel zu bieten. Die hintere Sitzreihe ist durch eine halbhohe Blechwand von den vorderen Sitzen getrennt. Klappt man die vordere Zweierbank auf, erspäht man das Reserverad. Ein ungewöhnlicher Ort, doch erinnern wir uns an den Käfer, der Heckmotor ermöglicht und bedingt ungewöhnliche Lösungen.
Mir eröffnet sich beim Blick auf das Blecharmaturenbrett eine große Leere. Durch das filigrane Zweispeichen-Lenkrad fällt der Blick auf einen großen runden Tacho mit ein paar Kontrolllämpchen. Zur Linken befindet sich, ebenfalls als Rundinstrument ausgeführt, die VDO-Tankanzeige und rechts vom Tacho eine Motortemperaturanzeige, die bei diesem T1 allerdings nachgerüstet ist.
T1 im Fahrbetrieb
Zwischen meinen Beinen geht die schlanke Lenksäule beinahe senkrecht in den Fußboden. An Servolenkung ist natürlich nicht zu denken, doch mit dem großen Lenkrad und dem wenigen Gewicht auf der Vorderachse lässt sich der T1 mit nur mittlerem Kraftaufwand lenken.
Die Pedalerie erinnert an den guten alten Käfer - Kraftaufwand in den Beinen ist beim Betätigen der Bremse wieder gefragt. Über den ellenlangen, schlanken Schaltstock rühre ich in einer undefinierten Schaltkulisse herum, finde dank gewohnter H-Schaltung jedoch immer den richtigen Gang und fahre so mit dem historischen Transporter auf volkswagenheimischem Gebiet in Hannover umher. Die Beschleunigung dieses T1 mit fantastischen 56 PS bei 1.500 Kubikzentimetern reicht aus, um im Berufsverkehr mitzuschwimmen. Allerdings ist die Doka auch nur mit zwei Personen und ohne Ladung bestückt, bei voller Zuladung oder gar in den Bergen wäre die Motorleistung wohl, nach heutigen Maßstäben, kaum ausreichend.
Übrigens, der hier verbaute Motor stammt aus brasilianischer Produktion, verfügt über Hydrostößel, 56 PS und gehört damit eigentlich nicht in diesen T1 aus Hannover!
Im Gegensatz zu Daimler setzte Volkswagen noch lange Zeit auf Benzinmotoren. Der T1 Doka wurde seinerzeit mit einem 1,2-Liter-Boxermotor mit 30 PS und später mit 34 PS-Motor gefertigt. 1964 kam ein zweiter Motor hinzu, der 1,5-Liter-Boxermotor mit berauschenden 42 PS und einem maximalen Drehmoment von 94 Newtonmetern. Seit 1965 wurde der Doka nur noch mit dem 1,5-Liter-Motor angeboten und bis zum Ende der Produktion liefen in Hannover knapp 80.000 Stück vom Band.
Die Sitzposition ist, ähnlich wie in jedem SUV, nach heutigen Maßstäben nicht extrem hoch. Trotzdem hat man im T1 einen guten Überblick - zumindest in der Doka, denn sie verfügt rundum über Fenster. Die geteilte Frontscheibe sieht man nach den ersten Metern eigentlich nicht mehr und auch das zierliche Lenkrad fängt an, ordentlich in der Hand zu liegen. Es ist eben doch sehr vieles Gewohnheitssache - natürlich wächst das Innenraumangebot nicht plötzlich, die Belüftung bleibt archaisch und die Heizung verdient ihren Namen kaum. In der Mitte am Fahrzeughimmel prangt ein großer Blechkasten, die Klimaanlage der 60er-Jahre. Schön beim T1 sind die seitlichen Ausstellfenster in der Fahrer- und Beifahrertür - schade, so etwas gibt es heute nicht mehr!
Trotz dieser Einschränkungen - oder gerade deshalb - macht es einen Heidenspaß, den historischen Transporter zwischen Einheits-Pkw, Breitreifen-Boliden, wichtigen SUVs und heutigen Transportern durch die Stadt zu bewegen und dabei viel, viel mehr Aufmerksamkeit zu erhaschen, als mit all diesen modernen, durchgestylten heutigen Fahrzeugen.
T1-Ladefläche
2,75 Quadratmeter oder 1.755 x 1.570 Millimeter groß ist die Ladefläche bei der Doka-Pritsche - das reicht für Gartenabfälle oder kleine Baumaschinen wie Rüttler und auch Tischkreissägen für den Bau. Die Pritsche kann an drei Seiten geöffnet werden, wodurch es beim Beladen kaum Probleme gibt. Beim T1 bestehen die Ladefläche und die Bordwände noch aus herkömmlichem Blech. Ausgerüstet mit Plane und Spriegel ergibt sich ein Ladevolumen von 4,9 Kubikmetern. Der T1 verfügt als Doka-Pritsche immerhin noch über eine Zuladung von 940 Kilogramm. Bei diesem liebevoll aufgearbeiteten T1 wurde die Ladefläche zum Schutz mit Holzlatten versehen.
Ein Quantensprung liegt zwischen der ersten T1-Doka-Pritsche und dem heutigen Modell. Den aktuellen T5 gibt es wahlweise mit einem 2,0-Liter-Benzinmotor oder mit 2,0-Liter-Turbodieselmotoren in der neuesten Bauart mit vier Zylindern. Zur Auswahl stehen vier Turbo-Dieselmotoren von 62 kW (84 PS) bis 132 kW (180 PS) und einem maximalen Drehmoment von stattlichen 400 Newtonmetern. Damit liefert der T5 circa das vierfache Drehmoment gegenüber dem vier Generationen älteren T1 - ist das ein fairer Vergleich, Benziner gegen Diesel, mit einem Zeitunterschied von rund 60 Jahren?
Die aktuellen Turbodiesel-Motoren liefern alle ein dynamisches Drehmoment bei geringer Lärmentwicklung. Zudem glänzen die neuen 2,0-Liter-Vierzylinder-Motoren mit geringen Verbrauchs- und CO2-Werten.
T5 Fahrerhaus und Sicherheit
Alle T5-Varianten verfügen serienmäßig über Airbags, einen Bremsassistenten, natürlich auch über Servolenkung
und Dreipunktgurte an allen Plätzen und das serienmäßige elektronische Stabilisierungsprogramm ESP. Der Schalthebel ist ins Armaturenbrett gewandert und zeichnet sich durch eine sehr präzise, klare Schaltkulisse, immer noch in H-Form, aus. Heute mit DSG oder Sechsganggetriebe wird die Motorkraft auf die Vorderräder geleitet, beim 4Motion bei Bedarf auch mittels Haldex-Kupplung zusätzlich auf die Hinterräder. Der seit der T4-Baureihe verbaute Frontmotor ermöglicht bei Kastenwagen und Kombi-Varianten eine ebene Ladefläche beziehungsweise einen ebenen Fahrgastraum. Damit sind die Variationsmöglichkeiten des VW Transporters um ein Vielfaches gestiegen. Der T5 kann mit Einzelsitzen in bester Qualität, Sitzheizung, Lordosenstütze und vielem mehr ausgerüstet werden. Natürlich gibt es noch immer die Zweierbank in der vorderen Sitzreihe. Das heutige Armaturenbrett bietet eine Vielzahl an Anzeigen und Leuchten, so dass der Fahrer stets über die geschlossene Tür bis zur Motortemperatur komplett informiert ist. Wusste der T1-Fahrer noch nicht, wo er alle Utensilien wie Trinkflasche oder Lieferscheine sicher verstauen sollte, hat der Fahrer eines T5 heute die Qual der Wahl. Der heutige Transporter bietet eine Vielzahl von Ablagefächern. So hat natürlich auch jegliche Art von technischem Gerät wie Soundsystem, Navigation und Freisprecheinrichtung für Mobiltelefone beim T5 Einzug gehalten - der heutige Transporter steht einem Pkw an Komfort, Bequemlichkeit und Ergonomie in nichts nach.
T5 Doka-Pritsche
Die Pritsche mit Doppelkabine wird heute auf dem Fahrgestell mit langem Radstand (3.400 mm) angeboten und bietet, wie schon der T1, Platz für sechs Personen. Das Platzangebot ist allerdings gegenüber dem 60 Jahre älteren T1 wesentlich größer und komfortabler. Neben den schon erwähnten Ablagefächern bietet der T5 zusätzlich Stauräume unter den Sitzbänken. Dadurch können auch Kleinmaterialien, Schutzhelme, Werkzeuge und der Wagenheber sicher verstaut werden.
Statt der geliebten Ausstellfenster des T1 punktet der T5 heute mit Klimaanlage oder zumindest mit elektrischen Fensterhebern (je nach Ausstattung). Die Bezugsstoffe der Sitze sind auch nicht mehr so schweißbildend wie die Kunststoffsitze des klassischen T1.
T5-Ladefläche
Die Ladefläche misst heute 2.135 x 1.895 Millimeter bei einer Bordwandhöhe von 390 Millimetern und ist aus leichtem Aluminium gefertigt. Beim Thema Nutzlast wird es lustig, heute kann man die Nutzlast eigentlich nur ermitteln, wenn man mit dem jeweiligen Fahrzeug auf die Waage geht. Bedingt durch Motorisierung, Ausstattung und zulässiges Gesamtgewicht liegt die T5-Doka-Pritsche zwischen 480 und 1.200 Kilogramm Nutzlast - also im Mittel eigentlich nicht weit entfernt von der T1-Doka anno 1960, die bei 960 Kilogramm lag!
Nicht zu vergleichen!
Die Liste der möglichen Sonderausstattungen für den heutigen T5 ist lang - sehr lang, so dass ich nicht weiter darauf eingehen möchte. Der T1 bot all das noch nicht, auch hatte er keine Sicherheitsfahrgastzelle, kein ESP, keine Servolenkung ...
Die Sicherheitselemente machen den Transporter heute allerdings auch schwer, wodurch die Nutzlast in ein seltsames Verhältnis rückt. Im Grunde sind die beiden Doka-Pritschen natürlich nicht vergleichbar, so dass das Ganze hier einfach nur ein Spaß ist. Deshalb ein ganz großes Dankeschön an Volkswagen Nutzfahrzeuge, die diesen (Un)vergleich erst möglich machten.
FAKTEN
VW T1 Doka-Pritsche
Baujahr: 1964
Produktion in Hannover: 1958 bis 1967
Restaurationszeit: ca. 8 Wochen mit 3 Mann
Motor: Vier-Zylinder-Boxer, 1500 m3, 56 PS mit Hydrostößel-Ventilsteuerung (brasilianische Produktion)
Kraftstoff: Benzin bleifrei
Fahrerhaus: Doppelkabine mit 6 Sitzplätzen, halbhohe Blechtrennwand zwischen erster und zweiter Sitzreihe
Ladefläche: 1.775 x 1.570 mm
Ladewandhöhe: 375 mm
Ladevolumen mit Spriegel und Plane: 4,9 m3
Nutzlast: ca. 940 kg
zul. Gesamtgew.: 2.700 kg
Anhängelast: 500/800 kg
VW T5 Doka-Pritsche
Baujahr: ab 2010 (aktuelles Modell)
Motoren: 2,0-l-Benzin, 85 kW ( 116 PS) 2,0-l-TDI mit Common-Rail-Einspritzung wahlweise mit 62 kW (84 PS), 75 kW ( 102 PS), 103 kW (140 PS) oder 132 kW (180 PS)
Drehmoment: max. 400 Nm
Abgasnorm (Diesel mit DPF): Euro 5
Getriebe: 5-Gg.-Schaltgetriebe, 6-Gg.-Schaltgetriebe (4MOTION) oder 7-Gg.-DSG (automatisiertes Schaltgetr.)
Sicherheit/Fahrerhaus: Fahrer- u. Beifahrer-Airbag, Gurtstraffer, ESP mit ABS/ASR, EDS, Berganfahrassistent,
Doka mit 6 Sitzplätzen, div. Ablagefächer, großes Angebot an Sonderausstattung
Radstand: 3.400 mm
Ladefläche: 2.135 x 1.895 mm
Ladewandhöhe: 390 mm
Nutzlast: 484 - 1.211 kg
zul. Gesamtgewicht: 2.800 und 3.000 kg
Zug Gesamtgew.: 4.500 - 5.300 kg
Anhängelast: bis 2.500 kg (gebremst)
Alle Gewichtsangaben abhängig von Ausstattung, Motorisierung und Auflastung
Bildergalerie
Autor: Andreas Aepler
Fotos: Andreas Aepler


