Alle Autohersteller investieren sehr viel in Elektrofahrzeuge und zeigen dem Verbraucher gerne ihren aktuellen Stand der Entwicklung. Einzig Volkswagen gab nur auf Nachfrage während der Pressekonferenz bekannt, dass sie natürlich an der Entwicklung eines Elektrofahrzeugs arbeiteten, dieses aber erst in einem späteren Stadium der Öffentlichkeit präsentieren werden - der Volkswagenkonzern ist bekannt dafür, sich bei der Entwicklung Zeit zu lassen, dann aber eine praxis- und seriennahe Lösung zu präsentieren. Angedacht sind Caddy als Elektro- und Transporter als Hybridfahrzeug.
Daimler: Im Bereich der kleinen Transporter präsentierte Daimler den Vito E-Cell in Serienreife. Er wird wird auf der gleichen Produktionsstraße produziert wie der neue Vito, ist also keinesfalls ein Sonderprodukt, sondern in jeder Hinsicht serienreif. Die Studie Fuso Canter E-CELL wurde als Weltpremiere auf der IAA gezeigt, die Lithium-Ionen-Batterien sind innerhalb des Fahrgestells untergebracht und ihre Kapazität beläuft sich auf 40 Kilowattstunden. Die Kapazität soll für eine Fahrstrecke von 120 Kilometern reichen. Die Ladezeit bei völlig entladenen Batterien beträgt bei 380 Volt circa sechs Stunden. Damit überschreitet die angegebene Reichweite die täglichen Anforderungen bei Handwerkern und im Verteilerverkehr um einiges. Der E-Motor leistet 70 Kilowatt und erzielt ein maximales Drehmoment von 300 Newtonmetern. Zur Sicherstellung der größtmöglichen Reichweite ist der E-Cell-Canter auf Lkw-typische 80 Stundenkilometer begrenzt. Er ist außerdem für den Kommunalbereich extrem geeignet. Beispielsweise im GaLaBau kann er lautlos und emissionsfrei in Parkanlagen und auf Friedhöfen eingesetzt werden.
Ford: Mit dem Transit Connect Electric präsentiert sich Ford zukunftsorientiert. Der Truck of the Year 2010 in Nordamerika wird seine Markteinführung in Nordamerika im Bereich der leichten Nutzfahrzeuge noch dieses Jahr feiern, in Europa ist die Markteinführung für 2011 geplant. Seit Februar 2010 läuft ein Feldversuch mit 10 Ford Transit BEV in Köln. Im Rahmen des Projektes colognE-mobil fördert das Land NRW die praktische Erprobung der Elektromobilität mit 7,5 Millionen Euro. Der Ford Transit Connect BEV nutzt ein 40 Kilowattstunden starkes Lithium-Ionen-Batterie-Pack modernster Akku-Technologie. Der 90 Kilowatt-Induktionsmotor liefert sein Drehmoment über ein Ein-Gang-Getriebe direkt an die Hinterachse. Die Reichweite soll 160 Kilometer betragen, wobei die Höchstgeschwindigkeit auf 80 Kilometer pro Stunde begrenzt ist.
Opel: Mit der Weltpremiere der Konzeptstudie Vivaro e-Concept weist Opel den Weg in die elektrische-Zukunft. Doch stellt sich bei dieser Studie die Frage: Ist der Vivaro-e-Concept ein reines Elektro- oder doch ein Hybridfahrzeug?
Das Vivaro-e-Concept besitzt einen Elektromotor, der im Akkubetrieb (rein elektrisch) eine Reichweite von 100 Kilometern erreichen soll, zusätzlich allerdings befindet sich ein kleines Notstromaggregat auf Verbrennungsbasis für die Überlandfahrten an Bord. So soll eine Reichweite von 400 Kilometern erreicht werden. Die Lithium-Ionen-Akkus sind unter dem Ladeboden Platz sparend und schwerpunktsoptimiert verbaut.
Renault: Der Kangoo Rapid ist als zuverlässiger Partner im Lieferwagen-Segment bekannt. Er bietet die Basis für neue elektrifizierte Wege - den Renault Kangoo Rapid Z.E.. Renault präsentierte auf der IAA erstmals die Serienversion des batteriebetriebenen Elektrotransporter Rapid Z.E. (Zero Emission). Er wird in Großserie produziert und ist ideal für den innerstädtischen Lieferverkehr geeignet. 2011 soll er auch in Deutschland für circa 20.000,- Euro auf den Markt kommen. Mit dem Kangoo Rapid Z.E. geht Renault neue Wege: Das Fahrzeug wird gekauft, die Batterien für circa 72,- Euro pro Monat gemietet! Ausgelegt auf eine Nutzung von vier Jahren bei einer Jahreslaufleistung von 15.000 Kilometern. Die Reichweite soll 160 Kilometer betragen, der Motor leistet 44 Kilowatt. Das Drehmoment liegt bei 226 Newtonmetern und die Nutzlast beträgt 650 Kilogramm.
Citron: Berlingo First Electric heißt die Zukunftsvision bei Citron. Der Berlingo wurde von Firma Venturi zum Elektrofahrzeug umgebaut. Der Asynchron-Drehstrommotor liefert 42 Kilowatt, soll eine Reichweite von 120 Kilometern erreichen und 110 Stundenkilometer schnell sein. Verbaut wurde ein Batteriepack auf Nickel-Natriumchlorid-Basis. Der Preis steht noch nicht fest, die Nutzlast beträgt circa 500 Kilogramm.
Peugeot: Die Basis bildet, wie bei allen großen Herstellern, ein vorhandenes Fahrzeug der Lieferwagenklasse, hier bei Peugeot ist es der Partner, der zum Peugeot Partner Origin Electric Venturi Palette mutiert. Venturi hat dieses Fahrzeug für die französische Post entwickelt und nun werden circa 260 Restfahrzeuge zum Kauf angeboten. Danach werden wohl keine weiteren Fahrzeuge dieser Art produziert, da die Stückzahl für Venturi zu gering und der Aufwand zu groß ist. Wahrscheinlich betrifft das auch den Berlingo. Die PSA und Mitsubishi Motors haben aber gerade
eine Kooperation bekannt gegeben, wonach der Citron Berlingo und der Peugeot Partner im PSA-Werk Vigo (Spanien) ab Ende 2012 als Elektroversion produziert werden sollen.
Iveco: Hier geht es größer zu, Iveco hat schon vor einiger Zeit den EcoDaily Electric als Serienfahrzeug vorgestellt. Neu und einzigartig: Der EcoDaily mit Elektroantrieb wird in den Versionen 35 S (einzelbereifter Kasten-, Kombi- oder Pritschenwagen) und 50 C (Kasten- und Pritschenwagen mit doppelt bereifter Hinterachse) angeboten. Er ist mit einem elektrischen, dreiphasigen Asynchron-Motor ausgestattet, der über einen Inverter DC/AC gesteuert und von Zebra-Batterien (NaNiCl2-Technologie) mit einer Nennspannung von 278 V mit Strom versorgt wird. Die abgedichteten Batterien erzeugen keine Abgase, benötigen keine Wartung und sind absolut wiederverwertbar. Um die Batterien aufzuladen, genügt eine dreiphasige Steckdose 380 V/32 A; die Aufladezeit beträgt acht Stunden. Der elektrische EcoDaily ist, je nach Version und verlangter Reichweite, mit zwei bis vier modularen Batterien (4 Batterien nur bei der Version 50 C) und einem rekuperativem Bremssystem ausgestattet. Es lädt die Batterien während des Bremsens über zwei Stufen wieder auf und vergrößert so die Reichweite.
Er erreicht beladen und einsatzbereit je nach Anzahl der installierten Batterien und der Fahrstrecke bei einer maximalen Geschwindigkeit von 70 km/h Reichweiten zwischen 90 und 130 Kilometern im Stop&Go-Modus. Das ist weit mehr als die typische durchschnittliche Tagesleistung im innerstädtischen Lieferverkehr mit vielen Starts und Stops. Das Gewicht der Batterien war in der Vergangenheit der Flaschenhals elektrischer Fahrzeuge. Diese Grenze wurde von Iveco überwunden, indem ein Fahrzeug entwickelt wurde, das mit zwei Batterien nur 300 Kilogramm schwerer ist als die entsprechende Dieselversion. Es gibt zwei Motorversionen: 30 kW Nennwert (60 kW Spitzenleistung) für das Modell 35 S und 40 kW Nennwert (80 kW Spitzenleistung) für das Modell 50 C. Alle Systeme für den elektrischen Antrieb werden von einer speziellen Steuerung, geregelt, die über den CAN Bus alle Betriebsdaten untereinander austauscht. Die Hilfssysteme, wie die Kühlung der Batterien und die Pumpe für die Servobremse, werden von Elektromotoren versorgt, während die Pumpe der Servolenkung direkt von der Antriebsbatterie versorgt wird. Wie gesagt - ein Serienfahrzeug!
Hybrid heißt die Zwischenlösung
Der Weg zum reinen Elektro-Transporter ist noch weit, in der Zwischenzeit baut die Autoindustrie auf die Zwischenlösung Hybrid. Auch dabei gehen die Lösungsansätze breit gefächert die unterschiedlichsten Wege. Selbst Nachrüst-Elektroantriebe sind angedacht und werden getestet. Die Firma AL-KO, bekannt durch Tiefrahmenfahrwerke beispielsweise für Paket-Auslieferungsfahrzeuge und Reisemobile, wagt den Versuch, einen Elektroantrieb in ein Chassis an der Hinterachse zu implantieren. Das AL-KO Electric Power Chassis (EPC Hybrid) wird an den Triebkopf mit Frontantrieb montiert, nun kann wahlweise der Elektroantrieb an den Hinterrädern oder der konventionelle Verbrennungsmotor über die Vorderräder genutzt werden. Zudem ist eine Nutzung des Elektroantriebs als Anfahrhilfe möglich. Die ausschließliche Nutzung des E-Antriebs im Innenstadtbereich und in verkehrsberuhigten Zonen ohne Schadstoffausstoß und sehr leise wäre möglich. Im Außenbereich kann der Transporter dann wieder mit dem Verbrennungsmotor betrieben werden. Doch dieser Antrieb ist erst eine Studie, die sich noch beweisen muss.
Der große Nachteil liegt in dem Mitschleppen des jeweils nicht in Betrieb befindlichen Antriebes. Die Elektroantrieb-Einheit wiegt circa 500 Kilogramm. Der Vorteil liegt darin, dass man nicht liegenbleibt, wenn ein Antrieb mangels Ladung oder Kraftstoff ausfällt. Der E-Antrieb könnte auch an schwereren Anhängern verbaut werden und so beispielsweise an Steigungen hilfreich eingreifen und dadurch Kraftstoff sparen. Ein ähnliches Prinzip entwickelt die Firma EDAG, sie bietet eine Elektro-Nachrüstung für die Hinterachse an. Sie könnte beispielsweise dem VW Caddy implantiert werden.
Auch im Lkw-Bereich halten Hybrid und Aerodynamic Einzug. Daimler präsentierte den neuen Atego Blue Tec Hybrid, er überschreitet das Studienstadium und wird in einer Kleinstflotte von 50 Fahrzeugen gebaut. Der Fuso Canter Eco Hybrid ist bereits in Japan, Australien und Hongkong mit über 1.000 serienmäßig hergestellten Exemplaren im Einsatz, in London fährt er bereits im Flottentest. Dies ist nur ein Anriss, es gibt noch viel mehr Fahrzeuge im Prototypen- und Teststadium, wir werden in den nächsten Ausgaben der DAZ TRANSPORTER ausführlich darüber berichten.
Klassische Verbrenner
In dieser Kategorie wurden in den letzten Monaten einige Neuerungen vorgestellt, in den meisten Fällen allerdings keine komplett neuen Fahrzeuge, sondern eher Modellpflege, neue Motoren und Getriebe.
Volkswagen: Angefangen mit den neuen 2-Liter-Motoren im T5 stehen geringerer Verbrauch und bessere Abgaswerte im Vordergrund. Zudem gibt es den T5 mit Allradantrieb und BlueMotion. Auch Caddy und Caddy Maxi haben sich Modifikationen gefallen lassen müssen - sie sind ebenfalls in 4Motion und BlueMotion erhältlich. In Deutschland wirklich neu ist der seit 1. September erhältliche Amarok, zurzeit der modernste Pick-up der Welt! Aus diesem Grund wurde er auf der IAA auch ausgezeichnet. Volkswagen hatte schon 2.000 Bestellungen für die Doppelkabine, bevor der Amarok überhaupt in Deutschland erhältlich war.
Auf der Messe wurde der Amarok Single-Cab als Studie präsentiert. Eine Studie ist er nicht mehr, in Südamerika wird er schon ausgeliefert, doch die Bestimmungen der VDA schreiben vor, dass die Fahrzeuge bis zum Jahresende in Deutschland erhältlich sein müssen, sonst werden sie wie Studien behandelt. Der Amarok Single-Cab wird in Deutschland Mitte bis Ende 2011 erhältlich sein. Bei Caddy, Transporter und Crafter baut Volkswagen auf BlueMotion-Technologie, um Verbrauch und Emissionen zu reduzieren.
Daimler: Ebenfalls stark überarbeitet und mit neuen Motoren ausgestattet sind Vito und Viano. Als 6-Gang-Schalter oder mit Wandler-Automatik (letztere ist nicht neuester Stand der Technik, funktioniert aber einwandfrei) bietet Daimler den beliebten Transporter als Kasten, Mixto und Kombi in verschieden Ausstattungsvarianten an.
Renault und Opel: Master und Movano (baugleich in der Basis) wurden ebenfalls schon vor der IAA präsentiert. Kraftvolle Optik, neue Motoren und - als Besonderheit bei beiden Herstellern - beide Fahrzeuge sind bei bestimmten Baureihen auch als Hecktriebler zu bekommen. Damit ist der Weg zu Transportern über 3,5 Tonnen offen, dann und im Anhängerbetrieb macht der Heckantrieb richtig Sinn.
Ford: Ford feierte gerade das Jubiläum des sechsmillionsten Ford Transit und den 45. Geburtstag. Aus diesem Doppelgrund legte Ford eine limitierte Sonderedition auf, den Ford Transit 45+. Es handelt sich dabei um die Kastenwagen-Variante FT 280 K mit kurzem Radstand. Er ist serienmäßig mit netten Kleinigkeiten ausgestattet. Ebenfalls noch nicht sehr alt ist der Ford-Ranger in der modernen überarbeiteten Version - dem VW Amarok allerdings nicht wirklich ebenbürtig.
Fiat: Fiat präsentiert auf Basis des neuen Dobl einen Pritschenwagen. Ungewöhnlich, denn normalerweise werden Pritschen nur auf größeren Transporterfahrgestellen, nicht aber im Lieferwagen-Segment verbaut. Angedachte Einsatzorte sind alle Orte, an denen es auf auf die Wendigkeit ankommt - Innenstädte und Parkanlagen beispielsweise.
Keine nackten Transporter
Auffällig bei allen Herstellern ist, dass die Transporter nicht mehr nackt präsentiert werden. Beinahe alle Transporter wurden mit passender Innenausstattung zur Ladungssicherung und Ordnung im Fahrzeug präsentiert. Dabei kam nicht nur ein Ausbauer zum Zuge, die Vielzahl von Ausbaumöglichkeiten und der damit verbundene Mehrnutzen für die verschiedensten Branchen wurden präsentiert. Auch die Fahrgestelle wurden in großer Variantenvielzahl mit Aufbauten unterschiedlicher Hersteller gezeigt. Lesen Sie dazu den IAA-Spezial-Bericht Aus- und Aufbauten in dieser Ausgabe.
Autor: Andreas Aepler
Fotos: Gareb Aepler


