Chic besaß der Stern schon immer, teuer war er allemal, und nur das Beste steckte unterm Blech - und im Innenraum. Mercedes halt. Vorsprung und Ambiente. Zumindest in den Limousinen. Das hielt viele Jahre lang, bis Volkswagen um die Ecke bog. Mit dem Silberfisch, einem luxuriösen T2-Bus. Der machte noch keine Stückzahlen und den Stuttgartern keine Angst, zumal deren eigene Erzeugnisse maximal das waren, was ihr Name aussagte: Personentransporter, also verglaste Kastenwagen mit ein paar mehr oder weniger bequemen Sitzbänken drin. Dann kam der Paukenschlag: VW Caravelle Carat T3. 112 PS, Servolenkung, vier Velours-Einzelsitze mit Klapptisch, Ablagen, Armlehnen, ZV, Klimaanlage, Alufelgen. Bullige Rechteck-Doppelscheinwerfer nebst in Wagenfarbe lackierter Beplankung und eine serienmäßige Fahrwerkstieferlegung buhlten im Verbund mit Colorverglasung und elektrisch einstellbaren Spiegeln um die Gunst anspruchsvoller Abnehmer aus dem Geschäftskunden-Bereich.
Doch Bus und Business - das war damals noch schwer vermittelbar. Es war nicht unmöglich, aber aufwendig. Dann kam der T4, der in seiner höchsten Ausstattungsstufe Highline heißt. Mercedes zog nach, musste nachziehen, und präsentierte die erste Vito-Generation. Wir erinnern uns: an eine formschöne Karosse, tolle CDI-Motoren, eine super Geräuschdämmung, herausnehmbare Einzelsitze und hohes angenehmes Reisetempo. Die Begeisterung war da, wurde jedoch zunehmend unter abfallenden Innenverkleidungsteilen begraben, von Rinnsalen aus undichten Glasdächern hinfort gespült und von fehlerhaft blinkenden Kontrollleuchten geblendet. Und dann der Rost... Geschichte.
Vito dürfen jetzt nur noch die Lastesel bei Daimler heißen, die aktuelle Pkw-Reihe hört auf den Namen Viano, dessen Spitzenvariante der von uns getestete 3.0 CDI Ambiente ist. VW blieb auch im Fall des aktuellen T5 beim traditionellen Highline, der für den Test mit dem neuen 2.0 TDI mit 102 PS und als Allradversion 4Motion antrat.
Highline und Ambiente - Salonwagen auf Tour
Sprechen wir zur Abwechslung mal weniger von Zahlen, schließlich ist das hier ein Luxus-Artikel. Schreiben wir also vom Wohlfühlfaktor, von den Komfortstärken der beiden Luxusliner, denn darum geht es. Nicht nur wegen der bitteren Kälte und dem Tiefschnee, die auf unseren Testfahrten herrschten, konnten wir uns für Viano Ambiente und T5 Highline erwärmen. Diese Vans sind einfach klasse - Oberklasse, um genau zu sein. Und: Sie sind sich relativ ähnlich. Funkfernbedienung für die Zentralverriegelung? Obligatorisch, ebenso wie die serienmäßigen zwei Schiebetüren zum Fond, die natürlich elektrisch betätigt sind. Eine deutliche Berührung der Türgriffe reicht in beiden Fällen, und schon öffnet sich, untermalt von akustischen Warntönen (die ziemlich fix nerven, weil man meint, ständig damit aufzufallen, was auch der Fall ist), der Aufenthaltsraum der feinen Art.
Beide Testwagen waren jeweils mit Dreier-Rücksitzbänken und zwei Einzelsitzen in der zweiten Reihe konfiguriert (den Mercedes gibts auch mit zwei hinteren Einzelsitzen), alle genannten Sitzmöbel lassen sich mittels Schienensystemen verschieben. Justierbare Armlehnen verstehen sich von selbst, schwarzes Leder auf Polstern und an den Seitenverkleidungen sorgen jeweils für das gewisse Etwas. Im Viano macht das Ganze Interieur einen noch gediegeneren Eindruck, da es durch die Art seines Dekors und in Verbindung mit dunklen Holzleisten und Chromakzenten den traditionellen Eindruck eines alten Pullmann-Abteils erweckt.
Der VW gibt sich, wie auch schon rein äußerlich, sachlicher und gradliniger, dabei jedoch nicht weniger anspruchsvoll. Sein Glattleder besitzt eine gute Qualität, die Ergonomie für die hinteren Passagiere ist sehr angenehm, die Verstellung des Gestühls bei nicht verdreckten Bodenschienen kein Kinderspiel, aber mit wenig Kraftaufwand realisierbar. Serienmäßig besitzen Viano Ambiente und T5 Highline gut nutzbare und jederzeit zusammenklappbare Tischsysteme für die hinteren Passagierbereiche. Die Lösung im VW ist nicht nur formal eine runde Sache, sondern auch funktional betrachtet herausragend, hier passt am meisten rein (Ablagen für Zeitschriften, große Flaschen und Gedöns im Fuß). Dafür ist die eckige Variante im Viano leichter einklappbar.
Toll ist die Möglichkeit im Mercedes, die Lehnen der hinteren Sitzbank einzeln umklappen zu können. Nervig dabei ist, dass diese Prozedur körperlich anstrengend gerät, je nachdem, wie weit die Bank in Richtung Fahrzeugmitte positioniert werden soll und wie sehr man sich von hinten in das Fahrzeug hineinstrecken muss. Auch kann die Bank nur komplett ausgebaut werden, und das Ding ist deutlich schwerer als ein Dutzend Magnum-Flaschen Champagner. Das gilt auch für die Sitzbank im VW T5 Highline, die sich immerhin leichtgängiger manövrieren lässt. Sehr praktisch sind die drei Kunststoff-Schubladen unter der VW-Fondsitzbank, peinlich allerdings die Tatsache, dass sie selbst im 60.000 Euro teuren Highline noch als Extra geordert und entsprechend separat bezahlt werden müssen.
Angenehm lichtdurchflutet präsentierte sich der Innenraum des Viano Ambiente dank seiner (optionalen) großzügigen Glasdächer auch im Fond. Die gibt es im T5 von VW nur für den Fahrer-/Beifahrer-Bereich, die Konzeption des Dachhimmels, der vor allem die Klima-Ausströmer und Deckenleuchten aufnimmt, verhindert weitere Ausblicke nach oben. Das bedauern neben den Kunden wohl vor allem VW-Verkäufer. Sie müssen ihr Produkt dennoch nicht verstecken, beeindruckt es doch mit der gewohnt hohen T5-Verarbeitungsqualität, die zusätzlich mit anspruchsvollen Materialien und weiterer Dämmung kombiniert wird. Der Mercedes gibt sich da nicht weniger anspruchsvoll, das dürfte er bei seinem Namen auch gar nicht. Beide Kandidaten hinterlassen bei der Innenraum-Wertung sehr gute Eindrücke. Dies gilt für die Materialanmutung, die Passgenauigkeit der Verarbeitung und den Sitzkomfort.
Bei der Ergonomie bevorzugen wir den VW. Seine Bedienung erschließt sich beinahe intuitiv, die Bedienung der aufpreispflichtigen Standheizung oben am Dachhimmel einmal ausgenommen - sie nervte durch ihren ungünstigen Einbauort. Die Bedienung des Mercedes erfordert etwas mehr Aufmerksamkeit, bevor auch sie nach und nach zur Selbstverständlichkeit gerät. Neben Stil ist Platz das Hauptmerkmal von Viano Ambiente und T5 Highline. Und den bieten sie wahrlich: Wollen nicht gerade fünf bis sechs Zwei-Meter-Riesen mitfahren, ist alles gut, normal Gewachsene genießen hier mehr Platz und Exklusivität als im ICE. Riesen müssen sich naturgemäß ein- und ihre Beine verschränken, auch die Länge der Sitzflächen kann dann schnell als zu kurz empfunden werden. Problematisch im Viano ist die Kombination groß gewachsener Fahrer und nicht drehbarer Sitz dahinter: Will man vorn entspannt und sicher lenken, kollidiert der weit nach hinten eingestellte Fahrersitz unweigerlich mit der Rückenlehne in der zweiten Reihe. Das ist ziemlich bescheiden, denn schon wird der teure Luxus zum Laster. Zwar kann man den mittleren Sitz in Gänze verschieben, aber auch nur begrenzt. will man nicht mit seinem Gegenüber in der letzten Sitzreihe in Knie-Kontakt geraten. Auch im VW schrumpft der Raum beim beschriebenen Szenario, allerdings birgt der drehbare Sitz in der mittleren Sitzreihe mehr Möglichkeiten.
Leinen los: Luxusliner unter Dampf
Die moderne Zeit, sie hat uns voll im Griff, sobald wir den Kaufvertrag unterschrieben haben: Bartlose Zünd-Schlüssel, per Fernbedienung programmierbare Standheizung im VW (klasse, nach Skilaufen oder Schneeballschlacht erwartet einen der mollig warme Bus), elektrische Fensterheber (der Viano hat zum Glück seine klassischen hinteren Ausstellfenster behalten dürfen), Klimaanlagen, Komfort-Telefonie-Pakete, verborgene Helferlein für Fahrwerk & Co. - alles ziemlich prima. So lange es funktioniert. Das ist das einzig mulmige Gefühl, das in Autos wie Viano und T5 mitfährt. Die Befürchtung, dass irgendwann aus Befürchtetem tatsächlich Erlebtes wird. Dann kann es nämlich nervig werden - und teuer.
Jetzt aber geben wir den Testwagen erst einmal Freilauf. Im T5 Highline schaltet ein 7-Gang-DSG, ein wahres Menü für fahraktive Feinschmecker. Selbst Walter Röhrl dürfte Schwierigkeiten haben, schneller im Getriebe zu rühren, als es die Technik macht. Wow. Allerdings sind Klagen über in ihrer Funktion beeinträchtige oder gar defekte DSG immer wieder zu hören. VW-intern befasst man sich sehr konzentriert damit, dies abzustellen, wer auf Nummer sicher gehen will, sei das manuelle Sechsgang-Schaltgetriebe empfohlen. Im Viano werkelt (noch, Mercedes will demnächst Neues präsentieren) eine gute, alte Wandlerautomatik mit fünf Fahrstufen. Die geht zwar nicht so sportlich ans Werk wie das DSG im T5, passt aber wunderbar zur zurückhaltend-bulligen Kraft des Dreiliter-Sechszylinders, der im Bug des Viano angenehm sonor seinen Dienst verrichtet und Aufbau sowie Leistungsentfaltung von Drehmoment eindrucksvoll erlebbar macht. 224 PS und satte 440 Newtonmeter beschleunigen den Viano in 9,1 Sekunden auf Tempo 100, seine Spitze liegt bei knapp 200 km/h. Eine Motor-Getriebe-Kombination mit Langzeit-Qualitäten.
T5: Luxus auf die langsamere Art
Der T5 Highline ist gefühlt der kernige Sprinter. Wohl aus Gründen der Political Correctness hat VW auch im Fall des T5 die Hubraum-Obergrenze bei zwei Litern gesetzt. Das ist, na ja, zwar nicht tragisch, aber zumindest bei der Elastizität deutlich spürbar. Subjektiv wie objektiv kommt auch der T5, ausgestattet mit dem 2.0 BiTDI mit 170 PS und 400 Newtonmeter Drehmoment, gut vom Fleck. Allerdings lässt er sich für den Spurt von null auf hundert geschlagene mit 13,1 drei Sekunden länger Zeit als der Viano, dem er auch mit der Höchstgeschwindigkeit von 188 km/h klar unterlegen ist. Daran werden sich VW-Kunden gewöhnen müssen, denn mehr ist aus den Zwoliter-Triebwerken aktuell nicht heraus zu holen.
Wir empfehlen für ein erhöhtes Maß an Fahrspaß und Fahrsicherheit den Allradantrieb, bei VW 4Motion genannt, mit dem unser Testwagen ausgerüstet war. Der pflügte nämlich noch mühelos durch Schneelandschaften, in denen der heckgetriebene Viano naturgemäß kapitulierte. Nur schade, dass alles, was man extra haben möchte, auch extra kostet... Auch dies ist ein naturgemäßes Phänomen. Apropos Unausweichliches: Verbrauchen taten unsere Testkandidaten auch, und zwar mehr, als von den jeweiligen Herstellern angegeben. Der T5 genehmigte sich 10 Liter Diesel im Schnitt, zwei mehr als die offizielle Werksangabe, der Viano lag leicht darüber mit 10,4 Litern Diesel. Seine angeblichen 9 Liter schaffte auch er nicht. Die Werte an sich erscheinen uns für derart hoch bauende und stark motorisierte Fahrzeuge durchaus angemessen, schön gerechnete Werte fernab jeglicher Realität jedoch braucht und will kein Mensch, sprich Kunde.
0 - 100: Der Viano ist ein Sprinter...
Zurück zu den erfreulichen Seiten, die unsere Luxus-Vans bieten. Neben einer ansprechenden Verpackung und einem komfortablen Inhalt sind das vor allem gut abgestimmte Fahrwerke. Dabei fiel der T5 jedoch durch mehr Poltern bei Fahrbahnunebenheiten auf, als dies beim Viano der Fall war, der vor allem Querfugen lockerer wegschluckt. Dagegen wiederum beeindruckte der VW mit der direkteren und präziseren Servolenkung, die wir beim Mercedes als etwas zu weich und zu undefiniert um die Mittellage herum empfanden. ESP, ABS, Bremsassistenten und elektronische Bremskraftverteiler haben beide Kontrahenten serienmäßig an Bord und erlauben, die Busse jederzeit fahraktiv und sicher gleichzeitig zu bewegen - so man es nicht übertreibt. Front- und Seitenairbags sind ebenfalls Serie bei beiden getesteten Fahrzeugen, Luftsäcke für die Fondpassagiere stehen als kostenpflichtige Extras bereit zum Verbau.
Fazit:
Ein Luxusfahrzeug, mal nicht in Form der klassischen Limousine, sondern als Großraumfahrzeug - das scheint selbst heute noch in einigen Kreisen ungewöhnlich. Oder können Sie sich Präsidenten, Kanzler und Minister gut im VW-Bus statt in der S-Klasse vorstellen? Sehen Sie. Gar nicht so einfach. Im normalen Leben greifen die Kunden gern zum Van oder zum Bus - wenn auch nicht immer gleich zur teuersten und nobelsten Variante. Mit Einstandspreisen von jeweils gut und gerne 60.000,- Euro (und leicht mehr...) operieren VW T5 Highline und Mercedes Viano Ambiente deutlich über der durchschnittlichen Schmerzgrenze deutscher Autokäufer, bieten jedoch deutlich mehr Raum als ihre geduckten
Limousinenbrüder S-Klasse und Phaeton, bei vergleichbarem Luxus.
Wir möchten diese Fahrzeugkategorie in Kombination mit hochwertigen Ausstattungen ausdrücklich empfehlen, VW und Mercedes machen hier prinzipiell alles richtig. Allerdings sollte man beim Kauf Geduld zeigen und Ruhe bewahren - und einen preiswerten jungen Gebrauchten erwerben. Belohnt werden solcher Art gelassene Käufer mit Preisabschlägen von bis zu 30 Prozent für Jahreswagen. Welche Spielart des Luxus wir nun empfehlen? Trotz seiner im Vergleich unterlegenen Fahrleistungen dem Dynamiker den VW T5 Highline 2.0 BiTDI mit 7-Gang-DSG, gelassenen Kunden den stärkeren Mercedes Viano 3.0 CDI Ambiente. Dazwischen gibt es nichts, außer dieser klaren Entscheidung.
FAKTEN
VW T5 Multivan Highline
2.0 BiTDI 4Motion DSG
Neupreis 59.435,- Euro
Technische Daten:
Motor: 2,0-Liter Vierzylinder-BiTDI, 132 KW (170 PS)
Kraftübertragung: Allrad/Front
Getriebe: 7-Gang-DSG
Schadstoffklasse: Euro IV
Leergewicht: 2.284 kg
Zul. Gesamtgewicht: 3.080 kg
Nutzlast: 796 kg
Beschleunigung:
0-100 km/h: 12,1 s
V-Max: 188 km/h
Verbrauch: 10,0 Liter (Drittelmix)
56.263 Euro mit 7-Gang-DSG ohne 4Motion
Mercedes-Benz Viano lang
3.0 CDI Ambiente Automatic
Neupreis 53.693,- Euro
Technische Daten:
Motor: 3,0-Liter Sechszylinder-CDI, 165 KW (224 PS)
Kraftübertragung: Heck
Getriebe: 5-Gang Automatik
Schadstoffklasse: Euro IV
Leergewicht: 2.180 kg
Zul. Gesamtgewicht: 3.050 kg
Nutzlast: 870 kg
Beschleunigung:
0-100 km/h: 9,1 s
V-Max: 201 km/h
Verbrauch: 10,4 Liter (Drittelmix)
Alle Preise sind Bruttopreise.
Autor: Knut Simon
Fotos: Andreas Aepler


