Auf den ersten Blick ist der Dobl auch als Maxi noch kein Riese, aber seine 4,74 Meter Länge sind nicht von Pappe. Mit der langen Dobl-Variante zielt Fiat direkt auf den Branchenkollegen Caddy Maxi, der sich mit seinem großzügigen Raumangebot durchaus als Alternative zum teueren T5-Transporter gemausert hat. Genau diesem Bruderzwist möchte man bei Fiat unbedingt aus dem Wege gehen – weshalb die Italiener ihren Dobl Maxi einfach nicht in der Hochdachversion anbieten.

Die italienische Argumentation: Dafür gibt es den Scudo, der noch einem Kubikmeter mehr stauen kann.
Und der Wermutstropfen dabei: Er ist auch deutlich teurer!

Zahlenspiele

Folglich beschränkt sich der Dobl Cargo Maxi in seiner proper proportionierten Langvariante auf ein Flachdach und immer noch solide 4,2 Kubikmeter und fast 2,2 Meter Ladelänge im Frachtraum. Je nach Ausstattungswunsch des Kunden schottet eine feste Trennwand den Laderaum zum Fahrerhaus ab, oder man wählt die aufpreispflichtige Gitter-Variante (plus 230,- Euro) mit praktischer wegschwenkbarer Hälftenteilung und faltbarem Beifahrersitz. Damit lässt sich das Ladevolumen für unteilbare Fracht auf jetzt 4,6 Kubik und respektable 3,4 Meter Ladelänge erweitern. Schon am Verkaufstresen sammelt der Italiener bei den Interessenten wertvolle Punkte. Um rund 1.500,- Euro unterbietet der vergleichbare Dobl den Erzrivalen VW Caddy.

Wobei der Preisvorteil des stilsicher gestalteten Italo-Lieferwagens keineswegs mit karger Ausstattung und ellenlanger Aufpreisliste gebüßt werden muss. Bereits in der Grundvariante kann der Doblo sofort ans Geldverdienen gehen – ohne Abstriche an Fahr- und Bedienungskomfort. Sein Revier ist die Stadt, wo er flink übers Pflaster wieselt – oder die Autobahn, wo er unangestrengt Kilometer frisst. Als Maxi erweist sich der Dobl als höchst aufnahmefreudiger Lieferwagen, auch wenn sich die schmal gehaltene seitliche Schiebetür nur für Kleinteile eignet. Sie ist der Gleichteilepolitik geschuldet, der 35 Zentimeter kürzere Kompakt-Dobl ist gleichermaßen konvektioniert. Die zweite Scheibetür für 290,- Euro Aufpreis kann man sich sparen, wenn man nicht ständig eine Fülle an kleinteiligenw Sendungen aus dem Frachtraum fischen muss. Das breite Heckportal mit praktischerweise asymmetrisch geformten Flügeltüren reicht weit ins Dach und ermöglicht die Staplerbeladung des Laderaums, in dem sich sechs solide Zurrösen zur Ladungssicherung befinden.

Extras zehren an der Nutzlast

Daran dürften theoretisch bis zu 1.000 Kilogramm Fracht festgemacht werden, womit sich der Dobl Cargo Maxi durchaus in Nutzlastregionen ausgewachsener 2,8-Tonner bewegen würde. Aber Vorsicht: Die Waage revidiert das Bild nachdrücklich. Die Ausstattung mit Extras zehrt an der Nutzlast, unser Dobl Maxi packt gerade noch schlanke 700 Kilogramm. Was bei den meisten Einsätzen wohl keine Rolle spielt – ein Kompaktlieferwagen vom Schlage eines Dobl Cargo erreicht wohl selten die Zuladungsgrenze. Aber etwas mehr Nutzlast wünscht sich der Kunde schon, gerade auch bei den aufwändiger ausstaffierten Varianten. Die Verkäufer von Fiat Professional halten hier dagegen: Schließlich darf der Dobl Maxi bis zu 1.300 Kilogramm ziehen. Und mit 1.300 Kilogramm Anhängelast lässt sich der Dobl schon als nutzlaststarkes 3,5-Tonnen-Gespann betreiben.

Den schweren Hänger kann man dem Dobl ohne Weiteres zumuten. Sein modernes Fahrwerk mit neu entwickelter Mehrlenker-Hinterachse und einzeln aufgehängten Hinterrädern steckt auch die zulässige Stützlast von 60 Kilogramm locker weg. Positiver Nebeneffekt der hinteren Einzelradaufhängung: Die Radkästen ragen nur wenig in den Frachtraum. Der Dobl Maxi erkauft seine Stabilität nicht mit Härte, er bietet seinem Fahrpersonal nahezu Pkw-Komfort. Er federt schon bei Leerfahrt feinfühlig und kontert miese Fahrbahnen nicht mit heftigem Aufbauschaukeln. Er spurt sauber geradeaus und folgt der Lenkung ziemlich präzise. Beladen bleibt er gutmütig und berechenbar. So wie sein Erzrivale VW, der mit seiner blattgefederten Hinterachse bei den Fahreigenschaften nicht ganz mithalten kann. In engen Kurven und beim Rangieren hindert den Dobl Maxi-Fahrer der mit 310 Zentimeter ellenlange Radstand – mit 12,5 Metern Wendekreis muss er manches Mal reversieren, wo die Marktbegleiter einfach drehen.

Lebhafter Diesel mit Laufkultur

Rundum attestieren wir dem Fiat Dobl Cargo also beste Manieren, wenn es um Fahrkomfort und Zuladung geht. Reicht aber der kompakte 1,6-l-Vierzylinder, um einen bis zu 3,5 Tonnen schweren Transporterzug standesgemäß zu bewegen? Die Antwort darauf fällt zwiespältig aus. Denn obwohl Fiat seinem Downsizing-Diesel kräftige 290 Newtonmeter Drehmoment bei moderaten 1.500 Touren zugesteht, kann das kompakte Aggregat unterhalb von 1.800 Umdrehungen nicht mit üppigem Anfahrmoment aufwarten. Er braucht ein paar Drehzahlen mehr, um aus den Startlöchern zu kommen, ohne sich zu verschlucken. Dann aber zeigt er sich von seiner sonnigen Seite. Auch im dritten Gang schleicht er in der Stadt noch um die Kurve und schwingt sich bei freier Fahrt mit etwas Anlauf zu 165 Stundenkilometern Spitze auf. In der Stadt spart die Start-Stopp-Automatik, der Motor steht an der Ampel. Und er gönnt sich nur wenig Zeit, um bei Grün wieder anzulaufen. Jetzt die Kupplung schleifen lassen und etwas Drehzahl, dann ist der Maxi wieder unterwegs.

Und beweist mit gemessenen 6,62 Litern Diesel auf 100 Kilometer den homöopathischen Umgang mit dem teuren Diesel. Die Option mit Partikelfilter, Oxikat und Start-Stopp-Anlage qualifiziert den Doblo Maxi 1,6 Multijet für Euro 5 und schlägt mit 750,- Euro zu Buche – sie ist absolut empfehlenswert und bezahlt sich per Kraftstoffeinsparung von selbst. Das Sechsgang-Getriebe zählt zu den Aktivposten, wenngleich der Joystick etwas haklig durch die Gassen führt. Weit gespreizt passen die Übersetzungen in der Stadt und über Land – sie sorgen für geräusch- und verbrauchsarme Drehzahlen. Wobei der italienische Kompaktdiesel zu den Leisetretern in der Branche zählt. ?Wer schnell fährt, kann auf eine leistungsfähige Bremsanlage nicht verzichten. Der Fiat verzögert unauffällig gut und wird mit hohen Belastungen gut fertig, auch wenn er an der Hinterhand noch mit einer Trommelbremse arbeitet. Der Bremsassistent, ABS und die elektronische Bremskraftverteilung sind Standard. ESP kostet 490,- Euro extra, dafür erhält der Kunde einen Hillholder, die Anfahrhilfe am Berg, gleich noch mit.

Günstig, nicht billig
Mit einer hochwertigen Inneneinrichtung, die sich auf Wunsch auch etwas Farbe gönnt, gewinnt der Dobl die Fahrerherzen. Die Sitze sind prima, auch wenn der Verstellbereich ein paar Zentimeter mehr haben dürfte. Sie sind zur Mitte versetzt und schränken die Raumbreite etwas ein. Aber kein Grund zur Klage: Der Platz reicht für breitschultrige Athleten und das Cockpit gibt keine Rätsel auf. Das gefällige Lenkrad und alle Bedienelemente gehen gut zur Hand – der Dobl Maxi ist ein Fahrerauto. Der Abstand zum betont nüchternen Wettbewerber Caddy wird immer kleiner – vielleicht auch, weil der Fahrer schon auf den ersten Blick mit dem freundlich-italienischen Dobl sympathisiert. Der günstige Anschaffungspreis und der moderate Kraftstoffverbrauch machen den neuen Fiat Doblo Cargo in der verlängerten Maxi-Version zur sicheren Bank für Kostenrechner. Freilich darf man bei der Rechnung nicht den Wiederverkauf vergessen, hier muss sich der Fiat wie die meisten seiner Lieferwagenkollegen dem Volkswagen Caddy geschlagen geben. Attraktive Paketpreise und Prämien für die Inzahlungnahme gebrauchter Lieferwagen, die Fiat regelmäßig beim Kauf eines Transporters anbietet, können das Kostenblatt aber schnell wenden.

Unser Fazit:

Der Fiat Dobl gehört zu den modernsten Lieferwagen auf dem Markt, Punkt. Nicht nur mit Blick auf die deutlich niedrigeren Anschaffungskosten mausert sich der Fiat Dobl Cargo Maxi zur ernsthaften Alternative zum Klassenprimus Caddy Maxi. Das überzeugende Fahrzeugkonzept leidet nur unter der partiellen Anfahrschwäche des ansonsten tadellos arbeitenden 1,6-Liter-Antriebs.

Licht und Schatten – zuletzt noch ein paar Anmerkungen:


Als kostengünstige Alternative zum nüchtern-perfekten VW Caddy bringt der modern gestaltete Fiat frischen Wind in die Klasse. Attraktive Ausstattungsversionen machen den Doblo Maxi zu einem Aktivposten im Subsegment der 2,8-Tonner. Zu den modernen Zutaten gehören der verbrauchsgünstige Euro-5- Antrieb, die Start-Stopp-Anlage und ein sehr ansprechend gestalteter Fahrerplatz. Die Laderaummaße übertreffen das Klassenniveau, die Anhängelast von 1.300 Kilogramm ist respektabel. ?Die viel gepriesene Nutzlast variiert stark je nach Ausstattungsgrad des kompakten Lieferwagens. So bleiben von bis zu 1.000 Kilo Zuladung je nach Extras und Variante teilweise nur noch 640 Kilo Fracht übrig Die Anfahrschwäche des 1,6-Liter-Diesels trübt den Fahreindruck ein wenig. Sonst ist dem 100 PS starken Vierzylinder mit Euro-5-Zertifikat nichts Schlechtes nachzusagen. Den ellenlangen Radstand von 310 Zentimetern büßt der Dobl mit 12,5 Meter Wendekreis.


FAKTEN
Fiat Dobl Cargo Maxi 1,6 Multijet

Grundpreis: 16.000,- Euro
(netto zzgl. MwSt.)

Technische Daten:

Motor: Reihenvierzylinder, vier Ventile pro Zylinder, Turbolader, Common-Rail, Multijet-Direkteinspritzung, obenliegende Nockenwelle mit Antrieb über Zahnriemen, abgasarm nach Euro 5 mit
Oxikat und Partikelfilter
Hubraum: 1.596 cm?
Nennleistung: 74 kW (100 PS) bei 3.500/min?max.
Drehmoment: 290 Nm bei 1.500/min?
Kraftübertragung: Frontantrieb, Einscheiben-Trockenkupplung, Sechsgang-Schaltgetriebe, Fahrwerk, Bremsanlage?Vorderachse: Einzelradaufhängung an Querlenkern, McPherson-Federbeine, Schrauben-
federn, Teleskopstoßdämpfer, Stabilisator
Hinterachse: Einzelradaufhängung an Schraubenfedern, Teleskopstoßdämpfer, Stabilisator, Reifen 185/65 R15 T92, hydraulische Zweikreisbremse, vorn Scheibenbremsen, hinten Trommelbremsen, ABS, ESP, Anfahrhilfe (Hillholder)

Maße und Gewichte?Länge x Breite x Höhe: 4.740 x 1.832 x 1.880 mm
Radstand 3.105 mm
Wendekreis: 12,5 m?
Leergewicht (Basisversion): 1.445 kg
Nutzlast: 925 kg?Zul.
Gesamtgewicht: 2.370 kg?
Zul. Anhängelast: 1.300 kg?
Ladevolumen: 10 m3

Messwerte: Fiat Dobl Cargo Maxi 1,6 Euro 5, 100 PS
Testgesamtgewicht: 1.695 kg (inkl. Fahrer, Kraftstoff)?
Kraftstoffverbrauch: 6,6 l/100 km
Höchstgeschwindigkeit: 165 km/h?
Beschleunigung: 0–60 km/h 0–80 km/h 0–100 km/h
6,3 s 9,5 s 14,4 s?
Elastizität: 80–120 km/ im größten Gang (6) 13,8 s?
Geräusch: 63,4 (dB(A)) bei 80 km/h 68,5 (dB(A)) bei 100 km/h


Autor: Wolfgang Tschakert
Fotos: Wolfgang Tschakert

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