Angedockt! Kurz nach Mitternacht am Montag, den 29. November 2004 war die noch fehlende Bug-Spitze von Hamburgs derzeit wohl aufsehenerregendstem Bürogebäude mit dem bereits errichteten Baukörper verschmolzen. Die gewagte Konstruktion war zuvor im Rendsburger Kreishafen unter der Regie der Bau-ausführenden Firma Ditting gefertigt und auf einem Schwimmponton über den Nord-Ostsee-Kanal an den Standort des Gebäudes in der Hansestadt transportiert worden. Gegen Abend hatte ein Bugsier-Schwimmkran bei einsetzender Dunkelheit das 320 Tonnen schwere Element dann an den Haken genommen und in einem Stück 29 Meter angehoben, damit es im Licht zahlreicher Scheinwerfer mit dem Gebäude verbunden werden konnte.
Das etwa vierstündige „Andock-Manöver“ konnte nur bei Flut und bis zu einer Windstärke von maximal vier Beaufort durchgeführt werden. Der Schwimmkran war nötig geworden, weil das vom Hamburger Architektenteam BRT - Bothe, Richter ,Teherani - in Form eines Parallelogramms entworfene Bauwerk spektakulär wie ein gigantischer Schiffsbug bis zu vierzig Meter über die Elbe ragt.
Ursprünglich lag hier am Edgar-Engelhard-Kai an der Elbe der alte Fähranleger für die Schiffstour Hamburg-Harwich. Eine Radarstation - nur über einen aufgeschütteten Wellenbrecher zum Schutze des Altonaer Fischereihafens zu erreichen - markierte das Ende des Kais. Bereits 1995 entstanden erste Pläne für das um 24° bugförmig auskragende Dockland-Gebäude, das mit dem heckförmigen neuen Kreuzfahrtterminal als Einheit gesehen in der Gesamtansicht die Idee eines vor Anker liegenden Ozeanriesen vermitteln sollte.
2002 wurde mit dem Bau begonnen, im Herbst 2005 war der siebengeschossige, 30 Mio. Euro teure Büro-Glaspalast in der Form eines Parallelogramms fertiggestellt. Um ausreichend Standfläche für das im Grundriss 21 Meter breite und 86 Meter lange (Gesamtlänge 132 Meter) Parallelogramm sowie Parkfläche für 79 Pkw zu bekommen musste der alte Kai indes eigens aufgeschüttet und um rund hundert Meter verlängert werden.
Bedingt durch das hochgradig statisch unbestimmte System war ein komplexes Rechenmodell unter Ansatz verschiedener Steifigkeiten notwendig, um das Tragverhalten, die Verteilung der Schnittgrößen und insbesondere die Verformung der Auskragung, an deren Fußpunkt allein 20 Prozent der gesamten Gebäudelast anfallen, realistisch abbilden zu können.
Die in der statischen Berechnung für den Endzustand und für die verschiedenen Zwischenzustände (zum Beispiel nach Anbau der Gebäudespitze oder nach der Betonierung der Gerschoßdecken) ermittelten Verformungen der Gebäudespitze wurden durch umfangreiche begleitende Vermessungen überprüft und im Wesentlichen bestätigt.
Das Gebäude, dessen Name Dockland natürlich auf die schick restaurierten Hafenanlagen in London anspielt, beherbergt auf seinen 6 vollflächigen Stockwerken insgesamt ca. 6.500 Quadratmeter Mietfläche. Das frei zugängliche Dach des vom Stararchitekten Hadi Teherani entworfenen Hauses mit seiner Aussichtsplattform erreichen Besucher über 140 terassenförmig zurückspringende Treppenstufen. Die einzelnen Etagen im Inneren des Hauses erschließen zwei vollverglaste Schrägaufzüge, aus denen man einen Panoramablick über Hamburg hat.
Die besonders hochwertige Innenausstattung des Gebäudes lebt aus der fein austarierten Balance zwischen den künstlichen Materialien wie Stahl und Glas auf der einen sowie Naturstein und brasilianischem Zedernholz auf der anderen Seite. Die auskragende nach Westen gerichtete Spitze des Baus zeichnet sich durch eine schräge Überkopfverglasung aus, durch die der Blick ungehindert nach unten auf die Elbe gleitet.
Die hinterlüftete gläserne Doppelfassade schafft auch an den Flanken des Baus eine transparente Arbeitsatmosphäre und umschließt zudem das Tragwerk aus Stahlfachwerkträgern, die damit vor Witterungseinflüssen geschützt sind. Die großzügige Verglasung führt jedoch auch zu einer erhöhten solaren Einstrahlung in das Gebäude und erforderte Maßnahmen für Sonnen- und Blendschutz, der in Form computergesteuerter Markisen ebenfalls in die Doppelverglasung integriert ist. Die Sensoren des Systems erfassen Außenhelligkeit, Windstärke sowie Datum und Uhrzeit, aus diesen Messwerten leiten sich dann die Fahrbefehle der Motorsteuereinheiten ab.
Zudem verfügt Dockland über ein Highlight, das sonst kaum ein anderes Bürogebäude bieten kann: Es ist über einen Fähranleger direkt an das Netz der HADAG-Hafenfähren angeschlossen.
Bug-Sektion auf Reisen
31.08.2009 BAUMA-MOBILES 9/2009
Bug-Sektion auf Reisen
Das derzeit wohl spektakulärste Bürogebäude an der Elbe vermittelt den Eindruck, es würde jeden Moment ablegen - die 320 Tonnen schwere Bug-Partie indes ging in der Tat von Rendsburg aus auf die Reise.
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