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Voll unter Strom: Blaulicht-Neuheiten

In Kürze: Richtungsweisende Neuheit auf der RETTmobil 2018. Krankentransportfahrzeug mit Elektro- oder Hybrid-Antrieb. Leise und umweltfreundliche Rettungsfahrzeuge

Längst ist die RETTmobil in Fulda die führende Fachausstellung für das Rettungswesen. Sie zeigt nicht nur die neuesten Trends, sondern hat sich mit knapp 30.000 Besuchern auch zu einer Art internationalen Leitmesse entwickelt.

Alternative Antriebe sind auf dem Vormarsch

Überall im Transport- und Logistikbereich sind alternative Antriebe zur Zeit das große Thema. Vor allem die aktuelle Feinstaubproblematik führt als Folge des Leipziger BVG-Urteils dazu, dass vielerorts die Voraussetzungen dafür getroffen werden, die Innenstädte spürbar zu entlasten. Zumindest ebbt die Diskussion über Fahrverbote für Dieselfahrzeuge in der City nicht ab. Aber ist ein Rettungswagen mit Elektroantrieb überhaupt vorstellbar? Fakt ist, dass das Rettungswesen sicherlich nicht primär unter Beobachtung steht, doch ist das Thema E-Mobilität für Pkw längst an der Tagesordnung. Die technischen Entwicklungen überschlagen sich. Und sie beeinflussen verwandte Technologien und Börsenkurse. Die Wietmarschener Ambulanz und Sonderfahrzeug GmbH (WAS), Marktführer bei der Herstellung von Rettungswagen, wertet dies längst als ein Signal, um diese Antriebstechnologie auch auf ihre Tauglichkeit im Sonder- und Rettungsfahrzeugbau zu erforschen. Mit dem E-Konzept geht das Unternehmen der Frage nach, ob der elektrische Antrieb auch eine Alternative für Einsatzfahrzeuge mit höherem Gewicht bis zu fünf Tonnen sein kann.

Konzeptfahrzeug von WAS löst starkes Interesse aus

Über ein Jahr lang hat die WAS GmbH an dem Konzeptfahrzeug gearbeitet, das auf der RETTmobil wohl zu den am häufigsten fotografierten Motiven gehörte. „Bei unserem Modellversuch geht es aber noch nicht darum, einen fertigen Prototypen für eine E-Ambulanz zu entwickeln, sondern Ideen zu bewegen und Prozesse in Gang zu setzen“, so Projektleiter Tobias Ripperda im Gespräch mit der TRANSPORTER. Mit einer Batterieleistung von 87 kWh soll der RTW es auf eine Reichweite von 102 bis 200 Kilometern bringen. Dabei sorgt der hocheffiziente Synchronmotor für ein Drehmoment von 1.150 Nm und gewährleistet eine Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h. „Das Interesse an unserer Studie war überaus groß. Wir hatten viele Gäste, die staunend stehen geblieben sind und sich nach Details erkundigt haben“, betont Tobias Ripperda. „Es wird zwar noch viele Jahre dauern, bis solche Fahrzeuge alltäglich sind. Jedoch ging es für uns darum, die Diskussion darüber anzuschieben und zu beweisen, dass Elektroantriebe auch in Rettungswagen der 5-Tonnen-Kategorie keine Utopie mehr sind“.

Krankentransportwagen mit Hybridantrieb aus Schönebeck

Wie stark die führenden Unternehmen der Branche darauf achten, bei diesem Thema tatsächlich die Nase vorn zu haben, zeigte sich auch am Stand der Firma Ambulanz Mobile GmbH & Co. KG aus Schönebeck bei Magdeburg. Ambulanz Mobile präsentierte erstmals einen Krankentransportwagen (KTW) mit Hybridantrieb. Dabei ändert sich im Alltag für den Anwender zunächst nichts. Die Fahrzeugbasis des neuartigen Transporters beruht auf der bewährten Technik eines Ford Transit. Der hybride Antrieb wird durch eine Kombination aus Dieselmotor im Frontbereich und einem an der Hinterachse liegenden Elektromotor realisiert. Zusätzliche Batteriebänke mit einer Speicherkapazität von 24 kWh versorgen den Elektromotor mit ausreichend Energie. Der in Kooperation mit der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg entwickelte Prototyp ist mit einem sogenannten eDrive-Modul ausgestattet. Damit wird ein achsverzweigter Hybridantrieb hergestellt. Das bedeutet: Der Anwender fährt mit dem herkömmlichen Antrieb oder rein elektrisch. Das ermöglicht eine emissionsfreie und geräuschlose Fahrt.

Hybrid-Transporter hat Vorteile im innerklinischen Bereich

„Die Vorteile eines solchen Transporters liegen eindeutig im innerklinischen Bereich“, erläutert Tobias Stefaniak, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Universität Magdeburg am Stand von Ambulanz Mobile Schönebeck. „Dann zum Beispiel, wenn Patienten von einem Bereich der Klinik in einen anderen verlegt werden müssen“. Dennoch steht jederzeit der werksseitige Dieselmotor zur Verfügung, wenn die maximale Reichweite des Elektroantriebs von 70 Kilometern erreicht ist. Der elektrische Antrieb besitzt eine Leistung von 60 kW und erzeugt ein Drehmoment von 2.000 Nm an der Hinterachse. Damit ist das System in der Lage, den Krankentransportwagen vom Typ Tord Transit auf 90 km/h zu beschleunigen. Die Maiximalgeschwindigkeit kann übrigens je nach Kundenwunsch oder Einsatzzweck konfiguriert werden. „Die Reaktionen auf unser Fahrzeug haben gezeigt, dass es ein großes Interesse an solchen Lösungen gibt. Ob sie jedoch auch kommen, wird letztendlich der Markt entscheiden“, fasst Tobias Stefaniak zusammen.

Crafter-Neuvorstellungen und andere Volkswagen-Premieren

Traditionell gehören der Mercedes-Benz Sprinter und der Volkswagen Crafter zu den gefragtesten Trägerfahrzeugen im Rettungsdienst. Während es auf der RETTmobil 2017 aufgrund des Modellwechsels noch kaum einen zum Rettungswagen umgebauten VW Crafter gab, zogen die Aufbauhersteller in diesem Jahr alle nach. Im Mittelpunkt stand der neue Crafter – natürlich auch bei Volkswagen selbst. Erstmals zeigte das Unternehmen einen Crafter als 5-Tonnen-Basisfahrzeug mit Heckantrieb und 8-Gang-Automatik als Rettungstransportwagen. Highlight des neuen Crafter WAS 500 RTW war die neue integrierte WAS Design Warnanlage, die bisher ausschließlich für den VW Crafter erhältlich ist. Ein weiterer Allrounder im Rettungseinsatz ist natürlich der Volkswagen T6 – egal, ob für den Notarzt- oder den Feuerwehreinsatz. Der neue T-Roc feierte seine Premiere als First Responder in der Lackierung Pure White mit roter RAL-3000 Beklebung. Aber er ist nur ein Beispiel von vielen Einsatzfahrzeugen, mit denen Volkswagen auf der RETTmobil für Aufmerksamkeit sorgte.

Neuheiten-Feuerwerk natürlich auch bei Mercedes-Benz

Ebenso brannte natürlich auch Mercedes-Benz ein riesiges Feuerwerk der Neuheiten ab. Hauptdarsteller war dabei vor allem die dritte Generation des Mercedes-Benz Sprinter, die erst im Februar neu vorgestellt wurde. Unglaublich, aber bis zum heutigen Tag wurden vom Sprinter weltweit über 3,4 Millionen Exemplare verkauft. Der neue Sprinter lässt sich in über 1.700 verschiedenen Konfigurationen ordern und deckt mit seinem zulässigen Gesamtgewicht von bis zu 5,5 Tonnen natürlich auch die unterschiedlichsten Einsatzbereiche im Feuerwehr- und Rettungswesen ab. Egal, ob als Rettungswagen, Kommandofahrzeug oder mobile Einsatzzentrale – drei Antriebsarten sorgen jetzt dafür, dass der Sprinter einfach überall durchkommt. Womit die Rede geradezu unweigerlich auf die neue Mercedes-Benz X-Klasse kommt, die auf der RETTmobil erstmals als Notarzteinsatzfahrzeug an den Start ging. Ideale Arbeitsbedingungen findet dieser Pick-up vor allem in schwer zugänglichen Regionen. Dabei vereint die X-Klasse die typischen Eigenschaften eines Pick-up mit den klassischen Stärken eines Mercedes. Und ist deshalb vor allem auch für das Rettungswesen so interessant.

Weitere Informationen:
www.rettmobil.org

Fachmesse | Rettmobil
Text: Norbert Böwing | Fotos: Norbert Böwing

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